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Full Version: Framed in Blood
Gerard Butler Global Fan Haven > FAN ZONE > INTERNATIONAL CHATTER > German Forum
CaelinDaell
Hallo ihr alle da draußen, die mit mir auf der GB Welle schwimmen. smile.gif
Bin neu hier im Forum und habe lange überlegt, ob ich gleich mit der Tür ins Haus fallen soll. Hhmm...
Vielleicht sollte ich vorher anfragen, ob ihr überhaupt Lust habt, eine Story zu lesen. Also, hiermit frage ich ganz höflich.
Ich schreibe seit Jahren. Mal mehr mal weniger. Und bei einem Schauspieler von Mr. B's Qualitäten, lässt die Inspiration nicht lange auf sich warten. Schreiben ist eh leichter mit Kopfkino. biggrin.gif
Und wenn ich es sowieso nicht veröffentlichen kann, weil mir das Copyright fehlt, kann ich es doch immerhin mit Leuten teilen, die meine Motivation verstehen können. Ich fand Mr. B schon immer irgendwie gut. Aber als dann letzten Herbst ATTILA im Fernsehen lief und am selben Tag dann auch noch DRACULA hatte ich echt eine Überdosis und war nicht mehr zu retten.
Meine Story ignoriert den zweiten Teil komplett. Immerhin spielt er da ja eh nicht mehr mit. *ggg*
Und jetzt höre ich auf, um den heißen Brei herumzureden. Ich stelle euch einfach mal einen Teaser rein. Ich hoffe, ihr habt Spaß dabei, euch virtuell beißen zu lassen. smile.gif

Framed in Blood

Prolog

»Ein Sarg?« Der dunkelhaarige Mann runzelte die Stirn. Machte seinem Mißfallen mit einem lauten Schnauben Luft. »Das ist doch ein Scherz, oder?«
Der Notar blätterte in den Unterlagen. »Nein, ich fürchte, das es das nicht ist. Das Testament ist klar. Es war Miss van Helsings ausdrückliche Weisung. Nach ihrem Ableben sollen ihre Habseligkeiten, zu denen auch dieser Sarg aus purem Silber gehört, hier eingelagert werden. Die Gebühren sind im Voraus bezahlt worden. Für 50 Jahre.« Er sah den Leiter der Sicherheitsfirma an. Zuckte die Schultern.
»Also, worüber beklagen Sie sich? Schieben Sie das Ding hier rein. Machen Sie die Tür zu. Um Weiteres brauchen Sie sich nicht zu kümmern. Das regelt meine Kanzlei.«
Der Mann kratzte sich an der Stirn. »Soll mir recht sein. Aber gehört ein Sarg nicht gewöhnlich in ein Grab?«
Der Notar drehte sich ihm zu. Reichte ihm die Papiere. »Hier. Und jetzt schaffen Sie das Ding weg.«
Der Sicherheitsbeamte starrte die Papiere an. Dann rollte er sie zusammen. Steckte sie in die Gesäßtasche. Winkte den Arbeitern. »Runter mit dem Ding. Bringt es in Box 12.« Er sah den Notar an. »Sie sperren ab. Ist ein Codeschloß. Den Code wählen Sie. Wenn sie damit fertig sind, kommen Sie in mein Büro. Dann kriegen Sie Ihre Bestätigung.«

Kapitel 1

»Mason, hinter dir!« Durch Malcolms dröhnenden Bass alarmiert, fuhr sie herum, tastete nach dem Pflock am Gürtel. Doch bevor sie die Chance bekam, ihren Gegner damit in ein Häufchen Staub zu verwandeln, wurde sie von ihm an der Kehle gepackt. Durch die Luft gewirbelt. Sie schaffte nur einen halben Salto, da eine Säule unsanft ihre Flugbahn stoppte. Masons Knochen knackten. Sie verlor die Kontrolle, ließ den Pflock fallen. Der Schmerzensschrei blieb ihr mangels Atem im Hals stecken. Dann landete sie auf dem mit Unkraut überwuchertem Boden der alten Klosterruine, verfehlte mit dem Kopf knapp die verwitterte Hälfte eines Grabsteins.
Mason krümmte sich zusammen, stöhnte verhalten. Pulsierendes Inferno in ihrem Inneren. Sie hustete und spuckte Blut, presste eine Hand auf die Polsterung, die ihren Oberkörper schütze. Nichts gebrochen. Noch nicht. »Geheiligter Vater, schütze die Männer, gib ihnen Kraft, denn deine Liebe ist allgegenwärtig«, murmelte sie. Kam langsam in eine sitzende Position. Sie spürte das kühle Silber des Kreuzes, das sie unter dem Hemd auf der nackten Haut trug. Es beruhigte sie, ließ das Hämmern im Schädel abebben. Mason drückte sich hoch, kam schwankend auf die Beine. »Und lass auch mich nicht hadern«, fügte sie keuchend hinzu. Sah sich um. Malcolm und die anderen hatten nicht an Boden gewonnen, aber auch keinen verloren. Noch stand es 50/50.
Ferris und Spencer hatten einen Vampir eingekreist, der aussah, als ginge seine menschliche Hülle noch zur Schule. Eine hagere Bohnenstange mit langem, strähnigem, braunen Haar. Er trug ein T-Shirt, das irgendeine Heavy Metal Band lobpreiste. Totenkopf und Knochen. Dunkle Flecken auf dem Stoff. Blut. Doch teilte der "Junge" mit einer Kraft seine Schläge aus, die durchaus Respekt einflößend war. Ferris und Spencer hatten ihre liebe Not mit ihm.
Simon und Geoffrey führten einen abstrusen Paarungstanz mit einer schwarzhaarigen Hexe auf. Wer diese Frau war, wusste Mason. Sie hatte Fotos gesehen. Anna Reynolds. Model. Atemberaubende Schönheit. Nach einer Party war sie mit dem falschen Kerl im Bett gelandet. Doch noch war ihre Verwandlung nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund waren sie hier. Und nur deshalb ließen Simon und Geoffrey Nachsicht walten. Sie wollten die Frau nicht töten, nur überwältigen. Gelang es Mason, die bedrohliche Gestalt, die sie grade attackiert hatte, ins Jenseits zu schicken, erlosch die Macht. Anna Reynolds konnte mit dem Serum geholfen werden. Sie würde wieder menschlich werden.
Normalerweise nahm der Trupp keine Aufträge an. Aber diesmal hatten sie sich breitschlagen lassen. Weil der Pate der jungen Frau sie auf Knien um Hilfe angefleht hatte. Der großzügige Rucksack mit Banknoten hatte Malcolm dann Gnade vor Recht walten lassen. Auch er war nicht unfehlbar und es diente einem guten Zweck. Sie brauchten Medizin und bessere Ausrüstungen, ansonsten waren sie bald mit ihrem Latein am Ende.
Seit 5 Jahren hatte die Kirche mit immer heftigeren Angriffen aus den Reihen der Finsternis zu kämpfen. Seit dem Tag, an dem der letzte Papst Johannes Paul IV. starb. Das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers war gescheitert, weil die in der Kapelle eingeschlossenen Geistlichen mit ein paar gut plazierten Sprengladungen höchst unfreiwillig und weit vor ihrer Zeit vor das Tor des Herren katapultiert wurden.
Ein Fiasko. Das Bollwerk, das seit Kaiser Konstantin seine Kreise gezogen hatte, rang arg mit dem Gleichgewicht und löste eine Welle der Ohnmacht aus, die höher war als die eines Tsunamis. Bis ins Mark erschüttert verharrten auch die Religionsführer in eisiger Starre. Die Welt hielt wortwörtlich den Atem an, betrachtete den drohenden Schatten mit Namen Nosferatu, der aus den Tiefen der Hölle gekommen war. Das personifizierte Böse mit einer neuen Weltreligion.
Blut.
Ihre Anhängerschaft war beachtlich. Und wuchs jeden Tag. Wer träumte nicht davon, ewig zu leben?
Als die Sixtinische Kapelle in Schutt und Asche fiel, einem wunderschönen Maiabend im Jahre 2030, tauschte Mason Habit und Rosenkranz gegen Tarnanzug, Springerstiefel, Pflock und Armbrust. Schwester Boniface kannte das Böse, hatte es Zeit ihres Lebens studiert. Und darum dachte sie - entgegen Christi Lehre - nicht daran, den Kopf zu senken und auch die andere Wange hinzuhalten. Dazu hatte sie bei der Explosion zu viel verloren. Ihren geistigen Vater und Mentor, Kardinal Brendan MacAran. Er war einer der Preferiti gewesen, wenn nicht gar der absolute Favorit. Er wäre ein guter Papst geworden.
Mason lächelte grimmig. Setzte bedächtig einen Fuß vor den anderen, näherte sich ihrem Gegner, ging im Kopf verschiedene Szenarien durch. Mit Stärke konnte sie nicht viel ausrichten. Also musste sie es mit Schläue versuchen. Da sich jeder den Plan des ehemaligen Klosters eingeprägt hatte, bevor sie den Angriff starteten, kam ihr eine Idee. Doch als sie sich auf ein mit Brettern bedecktes Loch im Boden zu bewegte - der Zisterne - lächelte sie der Vampir an. Schüttelte den Kopf. Er würde sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen lassen und Mason leichtes Spiel ermöglichen, in dem er einfach in das Loch fiel.
In einer Bewegung, die das menschliche Auge kaum wahrnehmen konnte, sprang er die junge Frau an und stieß ihr beide Hände gegen den Brustkorb. Mason verlor das Gleichgewicht. Stolperte rückwärts. Mit dem Hintern landete sie auf den Brettern über der Zisterne. Die schwankten bedrohlich, da die Jahre sie hatten morsch werden lassen. Der Vampir stand breitbeinig vor ihr auf sicherem Boden. Er tat nichts, wartete, dass der Zahn der Zeit die Drecksarbeit für ihn übernahm. Weiteres Zittern der Bretter. Knirschen. Knacken. Das Holz brach. Mason zählte bis 3, dann hechtete sie nach rechts, rollte über den Boden. Nur ein Bein hing lose über der Öffnung, die sich neben ihr auftat.
Der Vampir nickte anerkennend und stürzte sich erneut auf sie. Doch mitten im Flug traf ihn ein Geschoß in die Brust. Schleuderte ihn mit aller Wucht nach hinten. Er rammte einen Grabstein. Blieb reglos auf dem Boden liegen.
Mason kam auf die Beine, tippte sich an die Stirn. Dankte Malcolm. Der kam nicht dazu, den Gruß zu erwidern, denn er wurde von einem weiblichen Vampir angegriffen. Einer Blondine in schwarzer Lederkluft. Die beiden lieferten sich einen erbitterten Zweikampf. Sie versuchte, ihm mit ihrem langen Krallen die Augen aus dem Gesicht zu kratzen. Er ging immer wieder in Deckung und schaffte es nicht, seinerseits auszuteilen. Dass der Kerl immer noch Probleme damit hatte, eine Frau zu schlagen.
Doch zum Glück hatte Ferris die nicht. Er und Spencer hatten den Teenagervampir mit vereinten Kräften frei nach dem Motto: Doppelt hält besser! zerbröseln lassen. Jetzt kümmerte sich Spencer zusammen mit Simon und Geoffrey darum, Anna Reynolds in Schach zu halten. Sie tobte und schrie. Es brauchte wirklich alle 6 Hände, sie auf dem Boden zu halten und zu fesseln.
Ferris riss die Armbrust aus dem Gürtel, legte an und schoß. Der Pfeil traf den weiblichen Vampir in der Brust. Sie schrie auf und explodierte in einer Wolke aus Staub. Verursachte eine Niesattacke bei Malcolm. Der wedelte mit der Hand vor dem Gesicht. Es gab besseren Stoff, um high zu werden.
Der Meister war wieder auf die Beine gekommen. Seine Auszeit hatte nicht mal eine Minute gedauert. Rote Karten hatten halt nur die richtige Wirkung, wenn der Schiedsrichter gut genug zielen konnte. Wütend über den Verlust einer seiner Gefährtinnen riss er sich den Pfeil aus der Schulter, als wäre er eine Akupunkturnadel, hielt ihn fest in der Hand. Es zischte. Das Weihwasser verbrannte sein Fleisch. Doch er ließ nicht los. Sprintete auf Ferris zu.
Mason sah sich suchend um. Sie hatte die Armbrust verloren und da sie nicht über die Fähigkeit der Teleportation verfügte, konnte sie Ferris nur helfen, in dem sie den Feind aus dieser Entfernung wie eine Weihnachtsgans spickte. Nur dass sie auf die Nelken verzichten und lieber mit Weihwasser getränkte Pfeile nehmen würde. An einer Säule erspähte Mason ihre Waffe und hastete darauf zu.
Ferris sprang auf die Überreste einer Grabplatte. Versuche grade, einen neuen Pfeil in die Armbrust zu legen, als ihm diese aus der Hand geschmettert wurde. Der Vampir knurrte ihn an und rammte ihm den Pfeil in den Hals. Ferris gab ein Röcheln von sich. Kippte wie ein Stein zu Boden, während er jämmerlich an seinem eigenen Blut erstickte.
Der Meister lachte laut. Heulte wie ein Raubtier. Dann schwang er herum und kam auf Mason zu. Die Armbrust war vergessen. Sie fingerte am Waffengurt, aber schaffte es nicht, den Pflock zu ziehen. Das Mistding hatte sich verhakt. Der Vampir packte sie und gab ihr eine weitere Gratisflugstunde.
Keuchend kam Mason auf dem Boden auf. Die spitze Kante einer Steinplatte bohrte sich in ihren Rücken, schickte Schmerzwellen ihr Rückgrat hinab. Benommen hörte sie Malcolms Fluchen, ließ sich vom Grabstein gleiten.
Der Vampir wandte sich Malcolm zu. Näherte sich gelassen, siegessicher. Der schoß einen Pfeil ab. Verfehlte aber sein Ziel. Der Vampir begann zu laufen. Ehe Malcolm in Deckung gehen konnte, hatte er ihn schon am Hals gepackt. Drückte ihn gegen eine Säule. Hilflos baumelte er in der Luft. »Ein Mann Gottes«, raunte der Vampir verächtlich, als er unter dem Tarnanzug den weißen Kragen bemerkte. Er lachte kalt. »Sag mir, Priesterlein, wo ist dein Gott jetzt?«
»Der sieht wohlwollend auf ihn herab und schickt ihm einen Engel« drang eine energische Stimme zu ihnen heran.
Der Vampir wandte überrascht den Kopf, schien zu vergessen, dass er Malcolm eigentlich meucheln wollte. Blickte auf Mason, die neben dem Grabstein stand. Strähnen ihres roten Haares hatten sich aus dem Zopf gelöst, umgaben sie wie ein flammendes Meer. Sie wirkte tatsächlich wie ein Engel. Ein Racheengel. »Miststück«, zischte der Vampir verärgert. »Ich dachte, ich hätte dich getötet.« Er ließ Malcolm los, der röchelnd zu Boden sackte.
Mason zuckte die Schultern. »Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Einen Geistlichen zu töten, ist ein Sakrileg«, tadelte sie. Hob blitzschnell die Hand und warf etwas, das aussah, wie eine metallene Billardkugel. Es dauerte 2 Sekunden. Dann klickte es. Gleißendes Licht schoß aus der Kugel. Blendete den Vampir. Der schrie auf. Bedeckte sein Gesicht.
Mason zog den Langdolch aus ihrem Gürtel und sprintete los. Malcolm rollte sich über den Boden. Mason warf den Dolch. Malcolm fing ihn auf und sprang hoch. Machte den Vampir in Nullkommanichts wortwörtlich um einen Kopf kürzer. Das abgetrennte Haupt sauste eiernd durch die Luft. Mehr aus Reflex denn aus Absicht fing Mason es auf, betrachtete es angewidert. Warf es zur Seite. Der Körper des Vampirs stand noch einen Moment reglos da, dann sackte er in sich zusammen. Explodierte in einer Staubwolke.
Mason lächelte ihren Waffenbruder an. »Der Herr straft alle Sünden. Er hätte es besser wissen müssen.«
Malcolm grinste. »Verschwinden wir von hier.« Er winkte den anderen.
Simon, Spencer und Geoffrey hievten Anna Reynolds auf die Beine. Sie hing wie ein nasser Sack in ihren Armen. Starrte einfach geradeaus. Die Macht war gebrochen. Sie konnten gehen. Ihre Arbeit war getan.

Kapitel 2

Unruhig wälzte Mason sich im Bett hin und her. Stöhnte verhalten. Krampfte die Hände in die Decke. Der Traum war stark. Stürzte sie in beängstigende Verzückung. Erotische Träume hatte sie früher schon gehabt. Aber die waren alle anders gewesen. Denn sie waren nach ihren Regeln abgelaufen. Doch diesen Traum konnte sie nicht unter Kontrolle halten. Er machte einfach mit ihr, was er wollte.
Den Mann, der die Hauptrolle spielte, kannte sie nicht. Dennoch waren seine Züge überdeutlich. Schwarzes, lockiges Haar. Grüne Augen. Das Gesicht ebenmäßig. Attraktiv. Die Hände feingliedrig. Der Körper sehnig, schlank.
Sie spürte seinen Mund an ihrem Hals. Seine Hände auf ihrer Haut. Sein Gewicht. Schweiß rann ihren Rücken hinab. Durchnäßte das Nachthemd, das über ihre Hüften gerutscht war. Er bewegte sich. Drängte sich näher zu ihr. Willig spreizte sie die Schenkel. Bäumte sich auf. Hielt den Atem an. Was geschah nur mit ihr?
Mason erwachte. Setzte sich im Bett auf. Schlang die Arme um ihren zitternden Körper. Lachte heiser. Während die Tränen liefen. Keiner ihrer früheren Träume war so real gewesen. Hatte die Mauer pubertärer Fantasie durchbrochen. Woher wußte sie, dass es genau so war? Sich genau so anfühlte? Seit ihrem 8. Lebensjahr hatte sie unter der Obhut von Geistlichen gelebt. Mit 18 war sie ins Kloster eingetreten. Hatte ihre ganze Liebe Gott gewidmet. Sie war nie mit einem Mann zusammengewesen. Auch nicht, nachdem sie den Konvent verlassen hatte. Es gab wichtigere Dinge, als sexuelle Gier zu befriedigen. Denn ob Habit oder nicht... Sie war noch immer eine Nonne. Ihr Gelübde würde sie nicht brechen. Aber die Gedanken waren frei. Und die kamen in letzter Zeit verdammt unkeusch daher. Doch Gedanken waren nicht gleich Taten. Kein Grund, sich schuldig zu fühlen.
Mason schlug die Decke zurück. Stand auf. Die Digitalanzeige des Weckers zeigte, dass es kurz vor Sonnenaufgang war. Sie trat ans Fenster. Zog den Vorhang zur Seite. Blickte auf den Park hinter dem Haus. Als kleines Mädchen hatte sie oft dort gespielt. War die Königin der Feen gewesen, die vielen Marmorstatuen ihre Untertanen. Ihre Mutter hatte ihr ein Kleid genäht, mit bunten Blüten und Blättern darauf. Sich an den Händen haltend hatten sie durch den Park getanzt, gesungen und gelacht oder die Fische im Teich gefüttert. Mason hatte sich Geschichten ausgedacht, ihrer Mutter erklärt, die Fische würden zu ihr sprechen und ihr erzählt, was sie sagten. Das war lange her.
Mason versuchte, die Züge heraufzubeschwören. Fast schien es ihr, als lächelte ihr das Gesicht von Mary van Helsing vom Glas entgegen. »Mommy«, flüsterte sie leise. 20 Jahre war es her, dass ihre Mutter gestorben war. Onkel Brendan war im Krankenhaus gewesen. Hatte ihre Hand gehalten. Genauso ohnmächtig und hilflos wie sie. Kurz vor 4 Uhr morgens war keine Kraft mehr vorhanden, die Hoffnung vergebens. Mary van Helsing schloss für immer die Augen.
Nach ihrem Tod ertrug es ihr Vater nicht mehr, in diesem Haus zu leben, das ihnen alle die Jahre Glück beschieden hatte. Jeder Raum, jeder Gegenstand erinnerten ihn an seine verstorbene Frau. Er packte die Sachen, brachte Mason zu Brendan MacAran und verschwand. Um den Vampir zu jagen, der ihre Mutter getötet hatte. Seit 15 Jahren hatte Mason Gewißheit, dass auch er tot war.
Das Haus in Richmond hatte all die Jahre über leer gestanden. Erst seit dem Sommer des letzten Jahres bewohnte sie es wieder. Zusammen mit ihrer Kampfeinheit. Krieger im Namen Gottes.
Mason warf einen letzten Blick in den Park und ließ den Vorhang zurückfallen. Ging zur Kommode, nahm das Bild ihrer Eltern davon herunter, betrachtete es liebevoll. »Ich hoffe, ihr seid glücklich, jetzt wieder beieinander zu sein, du und Mommy«, murmelte sie und stellte das Bild zurück.
Niemand von ihrer Familie war ihr geblieben. Alle waren tot.
Sie war die letzte der Linie. Die letzte, um das Vermächtnis zu tragen.

Liebe Grüße
Caelin
paintheart
Hiho, freut mich dich kennen zu lernen.
Muss sagen du hast schon eine schöne geschichte geschrieben. biggrin.gif
2hearts
Hallo und welcome.gif hier bei uns!!!

Ich muß sagen: respect.gif Die Story ist klasse!
Dream
Hi. Ich mag die Storry gg
CaelinDaell
Vielen lieben Dank für das herzliche Willkommen hier!
Ebenfalls verbeuge ich mich artig für die netten Komplimente. smile.gif

Tja, der gute alte Dracula... biggrin.gif
Bin nicht unbedingt ein Wes Craven Fan. Aber die Idee, die er in diesem Film verwurstet hat, fand ich sehr innovativ. Die Version hat's früher noch nicht gegeben. Was nicht heißt, dass ich alles kenne. Aber doch 'ne Menge. So, jetzt habe ich mich als Vampirfreak geoutet. *ggg*

Aber nun machen wir mal weiter in der Tagesordnung...

Kapitel 3

»Was hast du?« Malcolm sah Mason argwöhnisch an. Sie reagierte nicht. Legte den Telefonhörer auf die Gabel. Ging langsam zum Kamin und starrte in die Flammen. »Mason?« Malcolms Hand berührte sie an der Schulter.
»Ich muss in die Stadt«, erwiderte sie tonlos und wandte sich ab.
»Was ist denn passiert?« Malcolm kam ihr nach.
»Mr. Harker – der Anwalt und Notar der Familie. Er hat grade angerufen.« Mason seufzte. »Moms Sachen wurden nach ihrem Tod bei einer Sicherheitsfirma eingelagert. Da wurde letzte Nacht eingebrochen.«
Malcolm runzelte die Stirn. »Die Sachen waren wertvoll, oder?«
»Schon möglich. Ich habe mir die Liste nie so genau angesehen.«
»Warum mußt du dann persönlich hin? Kann das nicht die Kanzlei regeln?«
Mason nahm seine Hand. »Nein. Um eine Sache muss ich mich selber kümmern. Sie ist enorm wichtig. Wenn sie den Sarg geklaut haben, stecken wir in Schwierigkeiten.«
Malcolm lächelte. »Ein Sarg? Was wollte deine Mutter denn mit einem Sarg?«
»Das Vermächtnis der van Helsings«, erwiderte Mason ruhig. »Um den Sarg geht es eigentlich nicht genau. Sondern um das, was drin liegt.«
»Und was liegt da drin? Ein verstorbener Vorfahre?«
Mason lachte heiser. »Da hast du nicht ganz so Unrecht.« Sie drückte seine Finger. »Ich kann es dir nicht erklären. Noch nicht. Danke, für deine Fürsorge und Hilfe. Aber ich muss das allein durchstehen. Du kümmere dich lieber um Anna Reynolds. Sobald sie reisefähig ist, bringen wir sie zu ihrem Patenonkel.« Mit diesen Worten drehte sie sich um und verließ das Arbeitszimmer.

¯¯¯
»Miss van Helsing?« Ein dicker Mann in Polizeiuniform kam auf sie zu und hielt ihr die Hand hin. »Danke, dass Sie kommen konnten. Ich bin Officer Crenston. Mit Mr. Harker habe ich schon gesprochen.« Sie nickte geistesabwesend, spähte an ihm vorbei. Er folgte ihrem Blick. »Tut mir echt leid. Aber ich fürchte, die haben alles ausgeräumt.«
»Es ist nichts mehr drin?« Mason Stimme klang rau.
»Nein. Box 12 ist komplett leer. Die Liste des Inhalts habe ich von Mr. Harker erhalten. Wenn Sie einen Blick darauf werfen würden, um mir zu sagen, ob sie vollständig ist?«
Mason sah auf das Papier. »Das weiß ich nicht. Ich war noch nie hier. Seit 20 Jahren war die Box versiegelt. Wenn nichts mehr drin ist, dann fehlt alles, was auf der Liste steht.«
Crenston nickte. »Hier steht was von einem silbernen Sarg. Ist das richtig?«
»Ja«, gab Mason nur zurück. Sah auf den Polizisten. Lächelte. »Das Ding ist seit Generationen in unserem Besitz. Und da es aus Silber ist, hat es einen Wert. Nicht mehr so sehr wie früher. Aber dennoch....« Sie zuckte die Schultern.
»Verstehe.« Crenston nickte. »Demnach war der Sarg leer?«
»Ja.« Diesmal log sie. Doch wem brachte die Wahrheit etwas? Die Existenz von Vampiren war allgemein bekannt. Da würde es keine Schwierigkeiten mit der Polizei geben. Sie selbst hatten spezielle Antivampireinheiten gebildet, um der Plage Herr zu werden. Aber wenn sie jetzt verkündete, dass in diesem Sarg die Überreste des EINEN, des Vampirs, der ALLES war, lagen... »Haben Sie schon eine Spur, was die Täter anbelangt?«
Crenston stieß den Atem aus. »Wir haben die Aufzeichnungen der Sicherheitskameras.« Er machte eine Pause. »Es waren Vampire. Das wissen wir so genau, denn auf den Bildern sind keine Gestalten zu sehen. Nur Gegenstände, die sich von behandschuhter Geisterhand bewegen. Die Einbrecher hatten es nur auf Ihre Box abgesehen. Die anderen haben sie nicht angetastet. Meinen Sie nicht, dass es da doch was gibt, was Sie mir sagen sollten?« Er beäugte Mason mißtrauisch.
Deren Gedanken überschlugen sich. Vampire hatten den Sarg gestohlen? Dann war die Sache noch viel schlimmer, als sie ursprünglich angenommen hatte. Woher zum Henker wußten die...??? »Ich wüßte nicht, was«, meinte sie beherrscht. »Nun, vielleicht... Der Name van Helsing ist nicht ganz unbekannt. Jeder weiß, dass meine Familie seit Generationen im Vampirjagdgeschäft tätig ist. Vermutlich war es einfach nur ein Racheakt.«
»Mit dem Sarg hat es also nichts zu tun?« Der Polizist blieb hartnäckig.
Mason sah ihm in die Augen. »Laut Mr. Harker war er leer. Ich habe keinen Grund, seinen Worten nicht zu trauen. Und ich war, wie gesagt, noch nie hier. Hab also nicht nachgesehen. Finden Sie die Diebe. Finden Sie den Sarg. Dann werden Sie es wissen.«
Crenston nickte. »Das haben wir auch vor. Wir haben zwar keine Gesichter, aber Stimmen. Und die Vampire waren zum Glück nicht lautlos. Sie redeten und nannten Namen. Einer dieser Namen ist uns einschlägig bekannt. Seit 3 Jahren versuchen wir, ihn zu kriegen. Er ist uns immer wieder entschlüpft. Loris. So nennen ihn seine Anhänger. Seinen richtigen Namen kennt keiner. Aber wir wissen, wo wir nach ihm suchen müssen. Es wird sich klären, Miss van Helsing.«
Mason lächelte ihn an und reichte ihm die Hand. »Auf die eine oder andere Art klärt es sich immer«, erwiderte sie nur und ging davon. Sie mußte sofort die Einheit unterrichten. Wenn die Vampire den Sarg öffneten. Einen Weg fanden, das, was drin war, wieder zu erwecken...
»Gott stehe uns bei«, murmelte sie und bekreuzigte sich, während sie in ihr Auto stieg.

¯¯¯
»Hier!« Loris hielt Tabitha den Kelch hin. »Wir brauchen Blut. ’Ne Menge. Jeder hier wird was spenden müssen.« Mit dem Dolch schnitt er sich ins Handgelenk und hielt es über den Kelch.
»Wieso denkst du, dass es funktioniert? Laut den Infos ist er verbrannt. Egal, was da drin noch übrig ist. Es trägt keine Energie mehr in sich.« Aedan war nicht so ganz überzeugt.
Loris grinste. »Er ist vielleicht verbrannt, aber nicht zu Asche geworden. Sein Skelett ist intakt. Etwas so Mächtiges kann man nicht töten. Keine Kraft der Welt. Nicht mal Gott. Denn bekanntlich steht der doch zu seinen Entschlüssen. Er ist unfehlbar. Einmal verflucht. Immer verflucht.« Loris zeigte auf den Sarg. »Er hat seinen Sohn verraten. Das war Teil des Plans. Doch als er sich entschied, seinem Leben durch den Freitod ein Ende zu setzten - was in den Augen der Kirche bekanntlich eine Todsünde ist. Als er sich entschied, die Schuld von sich zu weisen. Sie nicht zu tragen. Hat er die Arschkarte gezogen.« Er kicherte. Reichte Aedan den Dolch. »Man hat ihm den Eintritt in Gottes himmlische Hallen für immer verwehrt. FÜR IMMER. Und aus dem Grund ist er noch hier. Irgendwo in diesen zerfledderten Überresten.«
Aedan zögerte. Doch dann schnitt auch er in sein Fleisch und ließ das Blut in den Kelch fließen.
»Wenn wir ihn wirklich wiedererwecken, wie können wir sicher sein, dass wir ihn kontrollieren können?« Sybilla betrachtete den Sarg mit skeptischem Blick. »Wenn nichts und niemand ihn töten kann. Wie du sagst...«
»Jede Macht kann gelenkt werden. Er braucht uns. Denn er kennt diese Welt nicht. Aber sie wird ihm mit Sicherheit gefallen. Wenn er erst sieht, was wir geschaffen haben.«
Aedan brummte etwas. Dann gab er Sybilla den Dolch. »Wenn du dich irrst...« Sie deutete auf Loris. »Dann werden wir ein ernsthaftes Wörtchen miteinander reden müssen. Aber vermutlich klappt es sowieso nicht.«
»Wovor fürchtest du dich dann?« zog Loris sie auf.
»Ich fürchte mir gar nicht!« fauchte sie und schnitt sich.
Dann fehlte nur noch Tabithas Blut. Sie reichte Loris den Kelch. Ritzte sich und hielt das Handgelenk über das Gefäß. Aedan warf einen Blick in die dunkle Ecke des Gewölbes. Dort auf dem Boden hockte ein Mädchen. Sie war gefesselt. Zitterte am ganzen Leib. Sie war als erstes Opfer auserkoren. Besser als einer von ihnen. Denn es würde noch mehr Blut gebraucht werden. Viel mehr als die paar Tropfen im Kelch.
Loris nickte ihm zu. Aedan bückte sich und schob mit der behandschuhten Hand eines der Kreuze auf dem Sargdeckel zur Seite. Fast geräuschlos schwang er auf. Die Vampire spähten hinein. Verzogen angewidert die Gesichter. Was da drin lag, sah zwar noch halbwegs menschlich aus. Aber es wirkte mehr als mausetot. Und stank furchtbar.
Loris hob den Kelch. Grinste. »Mit diesem Blut rufen wir dich! Judas Ischariot! Erwache und kehre zu uns zurück! Erfülle dein Schicksal! So sei es!« Er senkte den Kelch und kippte den Inhalt über die Überreste im Sarg. Dann trat er zurück und wartete.

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Er öffnete die Augen. Starrte in die Schwärze. Er blinzelte, aber es blieb dunkel. Seine Glieder waren zittrig. Schauer jagten seinen Körper hinab. Wenn er die Finger bewegte, fühlte er die Kälte, die ihn erdrückend umschloss. Es schien, als wäre die Luft zu einem Käfig gefroren, der ihn gefangen hielt. Vielleicht war es so. Vielleicht auch nicht.
Die Bilder in seinem Kopf. Sie trieben ihn in den Wahnsinn. Visionen in blutrot. Da war ein Gesicht. Ein Gesicht inmitten all des Blutes. Warm. Weich. Liebevoll. Es kam ihm seltsam vertraut vor. Doch er wußte nicht wieso.
Die Welt um ihn herum erzitterte. Er stöhnte und versuchte, sich aufzurichten. Aber da war immer noch das Gefühl, wie Sand zu zerrinnen. Er konnte nicht sagen, was oben oder unten war, rechts oder links. Und dann letztendlich kam das Licht. Und mit dem Licht kam der Geruch...

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Mason fuhr schreiend aus dem Sessel vor dem Kamin hoch. Sofort ging die Tür auf. Spencer kam angelaufen. Kniete vor ihr nieder. »Hey, was... was ist los?«
Doch sie sah ihn nicht einmal. Blickte einfach durch ihn hindurch. Hatte die Bibliothek bereits verlassen. War ganz woanders. An einem dunklen Ort. Gestalten. Kerzenlicht. Ein Schatten. Der wuchs. Sich wandelte. Menschliche Form annahm. Neugeboren wurde. Zu seinen Füßen ein totes Mädchen. Das Blut einer Unschuldigen.
Mason zitterte. Klammerte sich an die Lehne des Sessels. Der Mann wandte den Kopf in ihre Richtung. Als würde er sie sehen. Starrte ihr in die Augen. Lächelte. Ihr stockte der Atem. Es war der geheimnisvolle Unbekannte aus ihrem Traum. Daran bestand kein Zweifel. Dann verpaßte Spencer ihr eine Ohrfeige. Holte sie in die Wirklichkeit zurück. Keuchend hing sie in seinen Armen und weinte.

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Sybilla betrachtete den nackten Mann vor sich. »Sch... Scheiße...«, murmelte sie fassungslos. Es hatte funktioniert. Und wie es das hatte. Der Beweis stand in Fleisch und Blut vor ihr. Wirkte bedrohlich und anziehend zugleich. Er sah sie an. Durchbohrte sie mit seinem Blick. Als versuchte er, ihre Gedanken zu lesen.
Da trat Loris dazwischen. »Willkommen«, sagte er mit einem Lächeln. »Willkommen zurück!«
Der Mann blickte auf seine Hand, bewegte die Finger. »Was ist geschehen?« fragte er rau.
»Wir haben dich zurückgeholt. Du hast... ähem... ziemlich viel verschlafen. Als du da drin gefangen warst.«
Er sah auf den Sarg. Erkannte sein Gefängnis. »Wie?« wollte er wissen.
Loris zuckte die Schultern. »War nicht schwer. Wir haben einfach den Sarg geklaut und dich mit unserem Blut aus dem Reich der Schatten gerufen. Du warst 35 Jahre da drin gefangen.«
»35 Jahre...« Er ging ein paar Schritte. »Der Sarg wurde bewacht. Da bin ich sicher. Wie konntet ihr ihn stehlen?«
»Wir haben den Sicherheitscode geknackt«, erwiderte Loris stolz. »Technik macht vieles möglich. Außerdem wußten wir aufgrund eines so langsam senil werdenden Notars, wo wir suchen müssen.« Er zuckte die Schultern. »So schnell, wie wir drin waren, waren wir auch wieder draußen.«
»Wie konnte sie das zulassen? Sie schwor doch....« Er wandte seinen Blick auf Sybilla. »Wo ist sie?«
»Wo ist wer?« Sybilla schluckte.
»Mary van Helsing.«
»Mary van Helsing ist tot«, erläuterte Tabitha leise. Trat näher zu ihm heran. »Seit 20 Jahren schon.«
»Ihr Blut ist erloschen? Das kann nicht sein... ich...« Er war verwirrt.
»Wenn du mit dem erloschenen Blut meinst, ob sie Kinder hatte«, sagte Sybilla. »Es gibt eine Tochter. Mary Allison.«
»Eine Nonne«, brummte Aedan.
»Eine Nonne?« Amüsiert zog er die Brauen hoch.
»Doch vor 5 Jahren hat die sich aufs Kämpfen verlegt«, kam es noch immer mürrisch von Aedan. »Mit einem Trupp aus Mönchen, Priestern und Soldaten zieht sie seitdem umher. Viele von uns sind ihr zum Opfer gefallen.«
Er lachte. »Sie ist wahrlich eine van Helsing.«
»Sie hat Hebron getötet. Den Fünften in unserem Bunde. Sein Platz gehört jetzt dir«, sagte Loris und verbeugte sich.
»Tut er das?« spöttelte er. »Wir werden sehen. Aber zuerst will ich mehr über diese neue Welt erfahren. Ein Welt, in der Vampire solche Macht haben. Und auch mehr über Mary Allison van Helsing.«
»Ähem...«, kam es verlegen von Tabitha. »Willst du dir nicht vorher lieber was anziehen?«
Er sah an sich hinab. Lachte. »Das sollte ich wohl.« Seine Augen richteten sich auf Aedan. Der hatte ungefähr seine Größe und Statur. Er hob nur den Finger und winkte ihn heran. »Schwarz habe ich immer schon gemocht.«

TBC...

Alles Liebe
Caelin
Dream
Wow das ist aber echt eine schöne Geschichte. Ich bin mal gespannt wie es weiter geht gg
CaelinDaell
¯¯¯
»Raus mit der Sprache!« forderte Malcolm Mason eindringlich auf. »Sag uns endlich alles! Den Vampir im Sarg hast du ja schon erwähnt. Dass er gefährlich ist. Dass er enorme Probleme machen könnten, weil er alt und mächtig ist.«
Mason trank von der heißen Schokolade, die Simon ihr gebracht hatte. Stellte die Tasse auf den Beistelltisch neben dem Sessel. »Er ist nicht einfach nur alt und mächtig. Er ist unbesiegbar. Versteht ihr?« Sie sah von einem zum anderen. »Er ist der ERSTE. Von Gott zu ewigem Leben verflucht, weil er die Schuld von sich wies. Die Schuld am Tod von Jesus. Den er für 30 Silberlinge verkaufte.«
»30 Silberlinge? Der Tod von Gottes Sohn?« Geoffrey runzelte die Stirn. »Redest du von Judas Ischariot?«
»Das war einmal sein Name.« Mason nickte. »Es war Teil der göttlichen Fügung, dass er Jesus verraten wird. Der selbst wußte es ja. Er zürnte nicht. Trotz allem liebte er Judas. Doch indem er die Schuld von sich wies. Sich erhängte, verlor er die Gnade Gottes. Der verfluchte ihn zu ewigen Leben in ewiger Nacht. Und so ist es seit 2000 Jahren.«
»Aber ist Gott nicht auch Güte und Vergebung?« warf Malcolm ein.
»Wenn Judas bereuen würde. Wenn er die Schuld tragen würde. Vielleicht würde er Vergebung erlangen. Aber das hat er nie getan. Vielleicht sah er den Frevel an Gott ein. Aber er bekundete seine Reue nicht. Vor 35 Jahren kam er erneut in diese Welt. Nachdem er über 100 Jahre in Gefangenschaft verbracht hatte. Meine Mutter war es, die ihn letztendlich wieder in sein silbernes Grab legte. Aber auch sie war sich nicht sicher, ob es ein für allemal vorbei ist. Deshalb blieb der Sarg bewacht. Doch jetzt haben ihn Vampire gestohlen. Und wenn er wieder in dieser Welt wandelt, haben wir ganz schlechte Karten. Es tut mir so leid. Ich hätte den Sarg hierher holen sollen. Dann wäre das nie geschehen. Ich hab das Vermächtnis nicht ernst genommen.« Mason wandte den Kopf ab. Sah in die Flammen.
»Das heißt im Prinzip, dass wir ihn nicht aufhalten können?« Spencer kratzte sich am Kinn. »Das ist nicht gut.«
»Nein, ist es nicht«, sagte Mason leise und sah ihn an. »Aber wir können ihn bannen und wieder einsperren. Das ist der einzige Weg. Wir brauchen einen neuen Sarg. Der alte ist verloren.«
»Aber dazu müßten wir ihn erst mal finden«, brummte Malcolm. »Er wird wohl kaum durch diese Tür spazieren.«
Mason lächelte. »Du könntest dich irren. Vielleicht tut er nämlich genau das. Er hat guten Grund dazu. Er will mich. Braucht mich. Ich bin von seinem Blut. Zwar um eine Generation verwässert. Aber das spielt wohl keine Rolle.«
»Von seinem Blut?« Geoffrey kniff die Augen zusammen.
»Ja. Durch meinen Großvater. Abraham van Helsing«, lüftete Mason nun auch das letzte Geheimnis. »Der war es, der es schaffte, Judas zu fangen. Da er ihn nicht töten konnte, beschloß er, auch ewig zu leben, um ihn zu bewachen. Er zapfte ihm mittels Egeln Blut ab. Spritze es sich in die Venen. Das muss schmerzhaft gewesen sein. Aber es hatte die Wirkung, die er sich erhoffte. Er wurde 169 Jahre alt. Und blieb ein Mensch dabei. Zeugte meine Mutter Mary. Und da ich ihr Kind bin, trage auch ich das verseuchte Blut in mir.«
Malcolm schluckte, bekreuzigte sich. »Aber wozu genau braucht er dich?«
»Ich bin seine einzige Verwandte. Wenn auch auf sehr kranke Art und Weise. Er will mich wohl zurück in den Schoß der Familie holen. Bei meiner Mutter war es auch so. Diese Bilder in meinem Kopf. Sie waren eigentlich schon immer da. Aber nicht sehr stark. Doch vorhin...« Mason legte den Kopf in den Nacken. »Ich war Zeuge seiner Wiedergeburt. Sie haben ihn zurückgeholt. Und er weiß, dass ich ihn gesehen habe. Denn er sah mich auch. Und jetzt, wo er weiß, dass es mich gibt, wird er mich suchen. Wir müssen vorbereitet sein.« Entschlossen erhob sie sich aus dem Sessel. »Besser, wir fangen gleich damit an. Nutzen wir den Trumpf, den wir haben. Unser Wissen, dass Loris den Sarg geklaut hat. Finden wir Loris, finden wir IHN. Und ich weiß auch, wo wir anfangen werden.«
»Und wo?« Spencer runzelte die Stirn. »Wir sind genauso ratlos wie die Bullen.«
»Nicht ganz. Denn wir haben Anna Reynolds.« Mason lächelte überlegen. »Sie war Hebrons Gespielin. Und Hebron gehörte zu Loris’ Clan. Irgendwas wird sie uns schon zu erzählen haben.«

Kapitel 4

Staunend blickte er sich um. So viele Eindrücke bestürmten ihn in einem einzigen Moment, reizten seine Sinne bis aufs Limit. Stroboskoplampen, die zuckende Leiber mit ihrem Licht umtanzten. Dröhnende Musik. Ausdünstungen aller Art. Von Erbrochenem über Urin, Schweiß, Alkohol bis hin zum duftendem Geruch menschlichen Blutes. Der Club war bis zum Bersten gefüllt. Ein DJ heizte die Meute an. Joints machten die Runde. Schnaps floß in Strömen. An diesem Ort war Gott mit Sicherheit nicht zuhause.
Loris deutete auf eine Nische. Doch ER schüttelte den Kopf. Wollte sich lieber noch ein wenig länger am Chaos laben. »Okay«, rief Loris ihm zu. »Nur ’ne kleine Info nebenbei. Solltest du deine Sinne blutig erfreuen wollen...« Er grinste und zeigte nach rechts auf einen Torbogen. »Da gibt’s ein Gewölbe. Ich hab Bescheid gesagt. Die lassen dich durch. Wenn du mit ihr fertig bist... Links ist ‘ne Tür. Leg sie einfach in den Raum dahinter. Der Besitzer kümmert sich darum. Ein Service des Hauses. Wenn du verstehst. Ansonsten... Ich bin hier. Wenn du mich brauchst.«
Er nickte und schritt drauf los. Die Tanzenden wichen vor ihm zurück. Machten seiner dunklen Erhabenheit Platz. Die weibliche Hälfte der zuckenden Leiber starrte ihn lüstern an. Die männliche Hälfte feindselig. Er scherte sich nicht darum. Warum sollte er auch? Da berührte ihn jemand am Arm. Er wandte den Kopf. Eine hübsche Blondine sah zu ihm hoch. »Hallo, schöner Mann«, sagte sie mit einer ungewöhnlich rauchigen Stimme.
Er löste ihre Hand vom Stoff seines Hemdes. Hielt sie in seiner. Beugte sich hinab. Schloss die Augen. Atmete ihr Blut. Leicht alkoholisiert. Ungemein reizvoll. Schüchtern deutete er einen Handkuß an. Sah dabei zu ihr hoch. Mehr war nicht nötig, um sie rumzukriegen. Sie fiel ihm beinah um den Hals.
Er lächelte. Es hatte sich nichts geändert. Absolut gar nichts.
Sie kamen sich näher, entfernten sich wieder voneinander, nur um sich danach noch näher zu kommen. Sein Atem auf ihrem Hals. Sie warf den Kopf zurück, bot ihm mehr von ihrer Haut, lud ihn ein. Spürte seine Lippen. Ganz sanft. Ein Hauch, der sie frösteln ließ. Sie schmiegte sich an ihn. Seine Hände wanderten über ihren Körper, ließen sie alle Vorsicht vergessen, kappten ihr Alarmsystem.
Die Musik wechselte ohne Pause. Der DJ verstand sein Handwerk. Sie löste sich von ihm, drehte ihm den Rücken zu, schwang die Hüften. Er schob sich gegen sie, paßte sich ihrem Rhythmus an, legte die Arme um sie, streichelte mit den Lippen ihren Nacken. Seine Finger wanderten unter ihr Shirt, tasteten sich über ihre Haut. Der Tod war ein guter Tänzer. Er kannte die Melodie, flößte sie ihr ein. Sie verbrannte sich an ihm, verglühte fast.
Sie ließ zu, dass er ihre Hand ergriff, sie zur Treppe zum Gewölbe führte. Sandiger Boden. Brennende Kerzen an den Wänden. In einer versteckten Nische eine Couch. Roter Samt. Versunken. Verloren. Hände. Lippen. Er strich ihr über das Haar, zog ihren Kopf daran nach hinten, lehnte sich über sie. Ein Raubtier auf Beutefang. Sie war schon längst jenseits von Gut und Böse. Der Alkohol hatte sie benebelt. Seine Gegenwart tat das Übrige. Sie ergab sich. Klammerte sich an ihn, während das Leben aus ihren Venen floß. Und so starb sie. Trunken vor lauter Wollust. Selig lächelnd.
Als er den Kopf hob und die Augen öffnete, stand vor der Treppe eine Frau in schwarzer Lederkluft. Ihr rotes Haar hob sich wie ein Flammenmeer davon ab. Er starrte sie sehnsüchtig an. Wußte sofort, wer sie war. Besuchte sie ihn doch in seinen Träumen. Er lächelte. Sie war unverkennbar Marys Tochter.
Die Frau erwiderte seinen Blick. Sagte nichts. Dann verschwand sie. Löste sich einfach in Nebel auf.
Er seufzte. Trug die Tote in den Raum und schloß die Tür, nachdem er sie auf den Boden gelegt hatte. Gemächlichen Schrittes kehrte er zu Loris zurück. Mittlerweile hatten sich Sybilla und Tabitha bei ihm eingefunden. Alle 3 blickten ihn abwartend an. »Ein herrlicher Ort«, sagte er nur und setzte sich.
»War sie gut?« Sybilla grinste anzüglich.
»Sie war köstlich.« Er wandte sich an Loris. »Wo ist Aedan?«
»Der ist beschäftigt«, erwiderte Sybilla. »Wenn du verstehst.«
Und ob er verstand. Dieser Ort war ein Sündenpfuhl. Genau das richtige für jemanden, der die Todsünde in sich trug.
Lärm am Eingang. Er wandte ruckartig den Kopf.
Sybilla und Tabitha sprangen auf. »Scheiße!« stießen sie hervor. »Bullen Razzia. Wir müssen verschwinden.«
Doch er erhob sich nicht. Warum sollte er? Niemand konnte ihm etwas anhaben. Schon gar nicht diese Witzfiguren in ihren blaugrünen Uniformen. Dann stand er doch auf. Wollte einen besseren Blick auf das Geschehen haben.
Auf der Tanzfläche herrschte heilloses Durcheinander. Männer brüllten. Frauen kreischten.
»Wir müssen hier weg!« Sybilla zerrte an seinem Arm.
Er schob sie von sich. »Warum? Jetzt wird es doch erst interessant.«
Sie sah auf Loris. Gestikulierte, als wollte sie sagen: »Tu was! Er bringt uns alle in Gefahr.«
Doch Loris war ebenso machtlos wie sie. Sie hatten den EINEN zurück in die Welt geholt. Wie hatten sie nur so dumm sein können zu glauben, sie könnten ihn kontrollieren?
Die Polizisten bahnten sich den Weg. Sie schreckten ihn nicht. Aber dennoch verspürte er ein Kribbeln in den Venen. Wußte sofort, was es war. Hatte es schon einmal gefühlt. Das war 35 Jahre her. Das Blut. Unverkennbar. SIE war hier. Dann sah er sie.

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»Mary...« Nicht mehr als ein sanfter Hauch. Aber sie hörte es trotzdem. Wandte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war. Dort stand er. Sie starrte ihn an. Atemlos. Der schwarze Tod. Mit dem Gesicht eines Engels.
Malcolm, der zu ihr aufschloß, folgte ihrem Blick. »Ist ER das?« fragte er, holte sie damit in die Realität zurück.
»Ja. Kein Zweifel. Loris muss ihn hergebracht haben.« Mason schaltete den Kommunikator an. »Hört ihr mich? ER ist hier. Ganz eindeutig. Er ist hier.« Sie holte Luft. »Hört mir jetzt ganz genau zu. Keiner von euch nähert sich ihm. Keiner! Wenn ihr es versucht, wird er euch töten. Also laßt es. Er will nur mich. Haltet euch zurück. Widmet euch Loris und seinen Ausgeburten. Erledigt sie. Dann haben wir schon ein Problem weniger. Sie sind seine Verbindung zu dieser Welt. Ohne sie hat er es ein bißchen schwerer.« Mit diesen Worten rannte Mason los.
Sie mußte vorsichtig sein. Vampire unterschieden sich äußerlich nicht von Menschen. Sie durfte keine Unschuldigen töten. Lange mußte sie nicht auf die erste Konfrontation warten. Ein bärtiger Goliath trat ihr in den Weg.

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Er beobachtete sie. Die katzenartige Geschmeidigkeit mit der sie sich bewegte, kämpfte, tötete. Der Riese hatte nicht den Hauch einer Chance. Er lächelte. Sie war wirklich gut. Mit ihr die Kräfte zu messen, würde sicherlich mehr als nur Spaß machen. Wenn sie erst sein war, lag ihnen die Welt zu Füßen. Als Mensch schon stark, würde sie als Vampir so unbesiegbar sein wie er. Doch das mußte warten. Jetzt war der denkbar ungünstigste Moment dafür.
Er setzte sich in Bewegung. Ließ Loris, Sybilla und Tabitha hinter sich zurück. Ein Polizist wollte ihn aufhalten. Mit einem Handkantenschlag brach er ihm den Kehlkopf. Der Mann fiel um. Röchelte sich in den Tod. Es kümmerte ihn nicht. Er lief weiter.
Mason war jetzt rechts von ihm. Wurde von einem Vampir angegriffen. Er schleuderte sie in die Luft. Sie landete auf einem Tisch, der krachend unter ihr zusammenbrach. Rollte sich jedoch sofort zur Seite und kam wieder auf die Beine. Ergriff kurzerhand eines der Tischbeine. Rammte dem Vampir das abgebrochene Ende in die Brust. Er heulte auf und wurde zu Staub. Dann wurde es brenzlig für sie. 4 Vampire umkreisten sie. Zogen den Ring immer enger.
Er wartete. Was würde sie jetzt tun?

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Mason sah sich suchend um. 4 Vampire. Das war nicht gut. Überhaupt nicht. Von den anderen ihren Teams konnte ihr niemand zu Hilfe eilen. Die waren selbst in schwere Kämpfe verstrickt. Mit Zweien wurde sie fertig. Aber nicht mit allen Vieren. Rückzug war die bessere Taktik.
Sie sah hoch. Die Empore. Schätze die Entfernung. Könnte klappen. Wenn sie einen der Vampire als Trittbrett benutzte. Das hatte sie schon mal gemacht. Und da war die Entfernung wesentlich größer gewesen. Mason konzentrierte sich. Groß Anlauf nehmen ging nicht. Es mußte reichen. Sie rannte los. Sprang auf einen Stuhl, drehte sich, landete auf den mächtigen Schultern des verdutzten Vampirs und drückte sich ab. Als er nach ihr greifen wollte, war sie schon längst nicht mehr in Reichweite.
Das Geländer kam näher. Immer näher. Mason streckte die Hand aus. Erwischte es. Und rutschte ab. Klammerte sich in letzter Sekunde an einen der Gitterstäbe. Unter ihr mehr als 5 Meter. Bei einem Sturz würde sie vielleicht nicht sterben. Sich aber mit Sicherheit alle Knochen brechen.
Da streckte sich ihr eine Hand entgegen. Sie verlagerte das Gewicht. Sah nach oben. ER war es. Hockte lässig auf dem Geländer. Deshalb waren die anderen Vampire ihr nicht gefolgt. Er lächelte. »Du hast die Wahl. Stürz ab. Werde ihre Beute. Oder nimm meine Hand. Und sei mein.«
Mason rutschte. Faßte nach. »Wenn ich abstürze, verlierst du, wonach du dich sehnst«, stieß sie keuchend hervor. »Und wenn ich tot bin, hat deine Existenz keinen Sinn mehr.«
»Schätzt du deinen Wert wirklich so hoch ein?« zog er sie auf.
»Werden wir ja gleich sehen.« Mason ließ das Geländer los. Während sie fiel, überlegte sie kurz, ob es wirklich eine so gute Idee gewesen war. Sie war die einzige Waffe gegen ihn. Ihr Tod brachte gar nichts. Aber jetzt war es sowieso zu spät. Vielleicht hatte sie Glück. Sie hatte schon andere Stürze unbeschadet überlebt. Lag vermutlich an seinem Blut in ihren Venen. War zwar nur Theorie. Aber es machte Sinn. Irgendwie.
Instinktiv wappnete sie sich für den Aufprall. Als er dann kam, war er anders, als sie gedacht hatte. Sie schlug nicht auf den Fliesen der Tanzfläche auf, sondern landete in zwei Armen. Die sie sicher hielten und dann ganz sanft auf den Boden stellten. Sie sah ihn an. Ertrank in seinen Augen. Dachte an nichts anderes, als ihm um den Hals zu fallen. Dann kam sie zur Besinnung. Er runzelte die Stirn. Anscheinend war das so nicht geplant gewesen. Pech für ihn. Mason zog eine der Leuchtgranaten aus ihrem Gurt.
»Das schützt dich nicht«, sagte er ernst.
»Wetten doch?!« Sie warf die Granate und hechtete zur Seite.

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Das gleißende Licht brannte in seinen Augen. Nahm ihm die Sicht. Er hob die Hände. Wich zurück. Was in aller Welt war das gewesen? Er schüttelte den Kopf. Als er wieder klar sehen konnte, war Mary nicht mehr da. Doch er konnte sie noch immer riechen. Sie hatte den Ort nicht verlassen. Suchend sah er sich um.
Auf der Treppe zum Gewölbe fand er sie. Sie rannte hinunter. Er eilte ihr nach. Stockte verunsichert. Im Gewölbe war sie nicht. Sie mußte die Tür genommen haben. Vielleicht gelangte man von dort nach draußen. Er riss die Tür auf, stieg über die mittlerweile 4 Leichen. Ein Vorhang an einer der Wände flatterte. Also gab es dahinter eine Öffnung. Als er den Vorhang zur Seite schob, brach er ihn aus der Verankerung. Er warf den Stoff ungehalten zur Seite.
Ein Gang erstreckte sich vor ihm. Er lief ihn entlang, bis er an eine weitere Tür kam. Der einzige Ausgang. Diesen Weg war sie gegangen. Ihr Duft schwang in der Luft. Doch als er die Tür öffnete, verfluchte er sich. Hatte ihn die Besessenheit von ihr doch glatt seine Pflichten gegenüber sich selbst vergessen lassen. Vor ihm erstreckte sich eine Seitenstraße. Das war an sich nichts Bedrohliches. Die aufgehende Sonne allerdings schon. Sie würde ihn nicht töten. Aber sie würde ihn in verbranntes Leder verwandeln. Und darauf konnte er gern verzichten.
Sie hatte ihn reingelegt. Nutze diese Schwäche gegen ihn. Wo war sie? Er bekam einen Schlag, brach in die Knie. Noch ein Schlag. Er rollte sich weg, suchte Deckung hinter dem Müllcontainer.

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Mason benutzte den Kommunikator, um das Team zusammen zu rufen. »Hinterausgang. Bringt den Van. Ich hab ihn. Die Sonne geht grad auf. Das schwächt ihn.« Dann sah sie ihn an. »Na, was sagst du jetzt? Blut ist anscheinend doch nicht dicker als Wasser.« In dem Moment quietschten Reifen.
Mason fuhr herum. Ein Jeep mit dunkelgetönten Scheiben hielt. Eine der Türen ging auf.

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»Komm schon!« rief Sybilla ihm zu. »Lauf!«
Er nutzte die Gelegenheit. Mary war abgelenkt. Fingerte am Waffengurt. Er sprintete auf sie zu. Packte sie und riss sie mit sich. Warf sie mit Schwung in den Wagen. Bevor er nach ihr einstieg und die Tür zuknallte.
Tabitha fuhr den Wagen. Sie trat aufs Gaspedal und brauste los. Sybilla sah auf die tobende Furie. »Ist sie das? Die eine welche? So sieht sie echt nicht aus. Sorry.«
Er warf ihr einen finsteren Blick zu. »Rede nicht über Dinge, die du nicht verstehst.« Mit seinem Gewicht preßte er Mary auf den Rücksitz. Hielt ihre Hände fest. »Schmerzvoll oder nicht. Deine Wahl.«
»Fahr zur Hölle!« spie sie ihm entgegen.
»Selbst das ist mir verwehrt«, gab er lächelnd zurück und schlug sie bewußtlos.

TBC...

Ich wünsche euch allen ein schönes WE!

Caelin
CaelinDaell
Ich wünsche euch allen ein schönes WE!
Und hier noch ein bißchen Lesestoff. smile.gif

Kapitel 5

Als Mason zu sich kam, fiel ihr als erstes auf, dass sie nicht gefesselt war, aber dass die Waffen fehlten. Als zweites, dass sie auf einem Bett oder einer Couch lag. Die Decke unter ihr war weich. Als drittes bemerkte sie, dass sie anstatt des Kampfanzuges ein seidenes Kleid trug, aber dass ihr Silberkreuz, das ein Erbstück ihrer Mutter war, noch da war. Sie berührte es kurz. Und zuallerletzt fiel ihr auf, dass sie nicht allein war. Ihr Blut raste. Also bewegte sie sich nicht, wollte ihm weiterhin den Eindruck vermitteln, dass sie schlief.
»Ich weiß, dass du wach bist, Mary. Dein Atem verrät dich. Und da deine Augen nicht so gut sind wie meine, tu dir selbst den Gefallen und schalte die Lampe neben dem Bett an.«
Verwirrt gehorchte sie. Seine Stimme war so sanft gewesen. Sie tastete auf den Nachttisch herum, bis sie den Schalter fand. Als das Licht der Tiffany Lampe den Raum erhellte, kniff sie die Augen zusammen, paßte sich schrittweise den Verhältnissen an.
»Schon viel besser. Denkst du nicht auch?« Er kam näher. Setzte sich uneingeladen aufs Bett.
Mason wich vor ihm zurück. Überlegte, ob sie ihm die Lampe an den Kopf werfen sollte.
»Und wo willst du dann hin?« fragte er, als hätte er ihre Gedanken gelesen.
Sie sagte nichts, zupfte am seidenen Nachthemd. »Wem habe ich das Outfit zu verdanken? Dir?«
Er lächelte. »Ich fand es passend. Sybilla und Tabitha waren so freundlich, dir zu helfen.« Er lehnte sich zu ihr. »Dein Blut spürt die Verbindung. Warum kämpfst du dagegen an? Deine Mutter hat es auch nicht gekonnt.«
»Hat sie nicht?« erwiderte Mason spitz. »Ich denke doch. Immerhin bist du nach der Begegnung mit ihr wieder im Sarg gelandet. Und wenn die Idioten ihn nicht geklaut hätten, wärst du immer noch dort.«
Er hob die Hände. »Doch wie du siehst, hat man mir nicht vergeben. Ich bin noch hier. Dunkel wie eh und je.«
»Nur wer Vergebung sucht, der findet sie auch.« Mason nahm eins der Kissen, legte es schützend vor sich. »Das hast du nie getan. Oder hast du gedacht, der Akt, meine Mutter zu verschonen, hat ausgereicht? Solange du tief in deinen Inneren keine Reue empfindest, findet du keine Erlösung.«
Er lachte. »Jetzt spricht die Nonne in dir.«
»Was ist so falsch daran? Ich hab die meiste Zeit meines Lebens Gott gedient. Im Grunde tue ich es noch. Ich glaube an seine Güte. Aber auch an seinen Zorn. Er hat dir nicht gezürnt, weil du seinen Sohn verraten hast. Sondern weil du dich geweigert hat, mit dieser Schuld zu leben. Es war dein Schicksal. Du hast es abgewiesen. Jetzt trägst du dafür die Konsequenzen.«
»Du denkst, ich leide?« Er neigte leicht den Kopf. »Dass es mich danach dürstet, die Hand der göttlichen Vergebung auf meinem Haupt zu spüren?« Er lachte. »Warum in aller Welt sollte ich das wollen? Was ich habe, ist besser als alles, was ich sonst hätte erlangen können. Ich lebe ewig. Nichts kann mich töten. Und genau das biete ich dir.«
»Was sollte mich daran reizen?« Mason zog die Beine an. »Ewigkeit bedeutet Einsamkeit. Denn sie verdammt dich dazu. Nichts ist mehr von Bedeutung. Zeitalter kommen und gehen.« Sie schüttelte den Kopf. »Meine Wahl ist mein Leben. Mein kleines, sterbliches Leben. Nicht die Ewigkeit der Einsamkeit.«
»Du wärst nicht einsam«, sagte er leise. »Du wärst bei mir. Und ich wäre bei dir.«
Jetzt lachte Mason. »Das ist ein Traum. Nicht mehr.« Sie sah ihm in die Augen. »Wie lange, denkst du, hielten wir es miteinander aus? Ein paar Jahrzehnte? Ein paar Jahrhunderte? Und dann? Irgendwann würden wir anfangen uns zu hassen.« Sie schüttelte erneut den Kopf. »Nein. Ich lehne dein Angebot ab. Und das wird sich nicht ändern. Dann mußt du dir schon mit Gewalt nehmen, was du willst. Aber dann wäre alles zwischen uns nichts weiter als eine große Lüge. Und ich denke nicht, dass du das willst.«
Er stand auf. Sah sie an. Nickte. »Im Moment vielleicht nicht. Da gebe ich dir Recht. Aber irgendwann ist auch meine Geduld erschöpft.«

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»Haben wir irgendeine Ahnung, wo sie sein könnte?« Malcolm beugte sich über den Stadtplan.
Simon fuhr sich nervös durchs Haar. »Nicht die leiseste. Meinst du, dass wir noch eine Chance haben? Nachdem, was Mason erzählt hat... Vermutlich hat er sie schon längst in einen Vampir verwandelt. Wir müßten sie töten...«
»Ich denke nicht, dass er sie bereits verwandelt hat«, kam es von Spencer.
»Wieso glaubst du das nicht?« Malcolm sah ihn an.
»Weil er sie damit verlieren würde. Sie würde ihn hassen. Dann hätte er gar nichts. Nein, Mason ist noch ein Mensch. Er wird sie umgarnen. Verführen. Und versuchen, sie so in seine Welt zu ziehen. Erst wenn sie sich freiwillig ergibt, hat er gewonnen. Und so leicht ist sie nicht unterzukriegen.«
»Wir sollten sie dennoch lieber heute als morgen finden«, brummte Malcolm. »Ich hab das Tagebuch ihrer Mutter gelesen. Laut Mary van Helsings Worten ist der Kerl einfach unwiderstehlich. Und dazu kommt noch, dass Mason keine Erfahrung mit Männern hat. Unsterblich oder nicht. Wenn er sie da zu fassen kriegt, wo sie empfänglich ist...« Er seufzte und sah wieder auf die Karte.
»Wir sollten beten. Das bringt uns auch nicht weiter. Aber es beruhigt.« Geoffrey senkte das Haupt. Als er die Worte zu sprechen begann, fielen nach und nach die anderen ein. »Pater Noster, qui es in coelis. Sanctificetur nomen tuum. Adveniat regnum tuum. Fiat voluntas tua sicut in coelo et in terra. Panem nostrum supersubstantialem da nobis hodie. Et dimitte nobis debita nostra. Sicut et nos dimittimus debitoribus nostris. Et ne no inducas in tentationem. Sed libera nos a malo«, flüsterte er.
»Amen«, kam es belustigt von der Tür. Alle 4 gingen in Kampfposition. »Aber... aber...« Der Eindringling lachte. »Was soll das? Überlegt es euch. Ich bin der Einzige, der weiß, wo sie ist.«
»Was willst du?« Malcolm trat vor.
»Euch meine Hilfe anbieten.«
»Und aus welchem Grund?«
»Weil ich erkannt habe, dass ich einen Fehler gemacht habe. Ich dachte, ich könnte ihn kontrollieren. Aber das war ein Trugschluß. Noch findet er sich in dieser Welt nicht richtig zurecht. Aber das ist nur eine Frage der Zeit. Wenn er sie auf seine Seite zieht, stehen düstere Zeiten bevor. Selbst für Wesen wir mich. Sie werden gemeinsam den Thron der Hölle besteigen. Und nicht wenige werden sich als treue Anhänger vor ihnen in den Staub werfen. Die Welt wird fallen. Und ehrlich gesagt, ich mag die Welt so wie sie ist. Ich könnte gern darauf verzichten.«
»Es gibt keinen Weg, ihn aufzuhalten«, schnaubte Simon, betrachtete Loris argwöhnisch.
»Es gibt keinen Weg, ihn zu töten«, berichtigte der Vampir. »Aufhalten schon. Und ich sage euch wie. Nehmt ihm weg, was ihm am Wichtigsten ist. Er wird rasen, alle Vorsicht vergessen und sie suchen. Stellt ihm eine Falle. Dann habt ihr ihn. Kerkert ihn wieder ein. Und sorgt diesmal dafür, dass NIEMAND ihn finden kann.«
»Warum sollten wir dir trauen?« Simon stemmte die Hände in die Hüften. »Wer sagt uns, dass DU uns nicht eine Falle stellst? Dass du nach seinem perfiden Plan handelst?«
Loris lachte. Lehnte sich lässig in den Türrahmen. »Macht das denn irgendeinen Sinn? Was sollte er von euch 4 Witzfiguren wollen? Ihr könnt ihm nicht gefährlich werden, solange er die Karten in der Hand hält. Das, was er will, hat er doch schon. Außerdem würde es ihm bei ihr keine Pluspunkte bringen, wenn sie erfährt, dass er euch über den Jordan geschickt hat.« Loris legte den Kopf schief. »Das hätte für mich Vorteile. Würden sich die Turteltäubchen doch entzweien. Aber das kann ich mir in meiner jetzigen Position nicht leisten. Ich stehe ganz allein da. Und so sehr es mich schmerzt, das zugeben zu müssen: Ich brauche euch. Und ihr braucht mich. Ansonsten findet ihr sie nie.«
Malcolm kratzte sich am Kinn. »Der Scheißkerl hat recht«, knurrte er. »Ohne ihn finden wir Mason nicht.« Langsam kam er auf den Vampir zu. »Aber eins wollen wir doch gleich mal klarstellen. Irgendwelche Faxen oder Spielchen und du stirbst. Du spielst nach unseren Regeln.«
Loris hob die Hände. »Was immer ihr sagt. Solange ich IHN dabei los werde.«
Malcolm lächelte. Dann packte er ihn blitzschnell am Kragen und hielt ihm ein Messer an die Kehle. »Schön, dass wir uns in dem Punkt verstehen. Und jetzt, mein Freund...« Er preßte die Klinge fester, bis ein Rinnsal Blut erschien. »Jetzt sagst du uns, wo er Mason gefangen hält. Und du solltest besser nicht lügen. Es gibt nämlich eine Menge Wege, einem Vampir Qualen zuzufügen, ohne dass er dabei draufgeht. Und glaub mir, ich kenne sie alle.«

Kapitel 6

»Sie will nichts essen. Dabei ist es wirklich gut. Ist zwar schon länger her, dass ich Brote geschmiert habe. Aber ob die Zutaten noch genießbar sind, kann ich riechen. Das kann es nicht sein.« Sybilla stellte den Teller auf den Tisch. »Wenn Sie nichts zu sich nimmt, schwindet sie. Denkst du, sie macht das mit Absicht?«
Er wandte sich ihr zu. Lächelte. »Und ob sie das macht.«
»Wenigstens trinkt sie. Die Wasserflaschen sind alle fast leer.«
»Das bedeutet, dass sie nicht sterben will«, meinte er leise. »Ohne Wasser ginge das nämlich erheblich schneller. Sie trotzt mir. Und das kann und werde ich nicht durchgehen lassen.« Er grinste. Blickte auf Sybilla. »Nimm ihr auch das Wasser weg. Wenn sie am verdursten ist, ist sie vielleicht eher geneigt, mir zuzuhören.«
»Und wenn nicht, bringst du sie damit um«, widersprach Tabitha.
»Wohl kaum. Ich gedenke einzuschreiten, bevor es zu spät ist. Wo steckt eigentlich Aedan?« wollte er wissen.
Sybilla ließ den Kopf hängen. »Ich habe mich umgehört. Aedan ist tot. Die Jäger haben ihn im Club erwischt.«
Er ging zu ihr. Hob ihr Kinn an. »War er dein Gefährte?« Sybilla nickte stumm. Er küßte ihre Stirn. »Das tut mir leid. Und was ist mit Loris?«
»Der ist in Deckung gegangen. Wie zu erwarten. Mit Worten ist er schnell. Aber bei den Taten...« Tabitha zuckte die Schultern. »Früher oder später wird er hier auftauchen. So wie immer.«
Er nickte. »Dann geh jetzt und führe meinen Befehl aus«, verlangte er von Sybilla.
»Vielleicht...«, begann Tabitha. »Sollte ich mal mit ihr sprechen.«
»Und was sollte das bringen?« Belustigt betrachtete er sie.
»Lass es mich dennoch versuchen«, buhlte sie um seine Gunst.
Er lächelte milde. »Versuch es. Aber es wird nichts bringen. Es sei denn, du liest aus der Bibel.«
»Wenn’s sein muss, verbrenne ich mir an dem Ding eben die Finger.«

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»Was machen wir mit ihm?« Spencer sah auf Loris, der in silberne Ketten gewickelt vor dem Kamin auf dem Teppich lag. »Wir können ihn nicht umbringen. Zumindest jetzt noch nicht. Wenn er doch gelogen hat...«
»Er hat nicht gelogen«, widersprach Malcolm. »Schon beim Anblick der Nadeln fing er an zu singen. Aber du hast recht. Er ist unser Trumpf. Bringen wir ihn ins Kellergewölbe. Da kommt er auf keinen Fall raus.«
»Wir kümmern uns um ihn«, kam es einstimmig von Geoffrey und Simon. Mit Freuden stopften sie dem vor sich hin fluchenden Loris einen Lappen in den Mund, hoben ihn hoch und trugen ihn aus dem Zimmer.
»Meinst du, wir schaffen das zu Viert?« Spencer prüfte seinen Waffengurt.
»Wir wollen nicht in Fort Knox einbrechen«, schnaubte Malcolm. »Außerdem rechnet er nicht mit unseren Kommen. Keine Sicherheitsvorkehrungen. Bei einem abbruchreifen Fabriksgebäude erwartet niemand eine Luxusvilla dahinter. Ein wirklich cleveres Versteck. Weil es viel zu offensichtlich ist. Am besten verbirgt man etwas direkt vor den Augen des Suchenden.«
»Und wie kommen wir ungesehen rein?« Simon und Geoffrey waren zurück. Zeigten auf die Tür. »Unser Gast hat es sich bequem gemacht.«
»Das wird Fußarbeit. Geht nicht anders. Sie würden das Auto hören. Einer weiterer Nachteil sind unsere Herzschläge. Deswegen die Anzüge. Sie schirmen ihn ab. Aber verdecken ihn nicht vollständig. Viel Zeit bleibt uns nicht, bis sie merken, dass wir da sind. Die Leuchtgranaten halten sie auf. Aber auch nicht lange. Wir müssen Mason so schnell wie möglich finden. Mit dem Thermoscanner schaffen wir das.«
»Wenn sie noch ein Mensch ist«, warf Simon ein.
»Sie ist es noch«, sagte Spencer überzeugt. »Er hatte grad mal einen beschissenen Tag. So schnell kippt sie nicht.«
»Dein Wort in Gottes Ohr«, kam es von Geoffrey. »Und wenn wir sie haben? Was dann?«
»IHN können wir nicht töten. Das steht fest. Die beiden weiblichen Vampire schon. Aber mit den Silberkugeln und den UV-Pfeilen weisen wir ihn in die Schranken. Außerdem greifen wir erst kurz vor Sonnenaufgang an. Sobald wir unter freiem Himmel sind, kann er nicht mehr hinterher.«
»Und wohin wollen wir dann? Er wird uns jagen. Ob Tageslicht oder nicht. Autos haben getönte Scheiben.«
»Wir bringen Mason nach Holy Falls.«
Simon riss die Augen auf. »Wir bringen sie in ihren Konvent?«
Malcolm nickte. »Ich habe bereits mit der Mutter Oberin gesprochen. Dort werden wir ihn erwarten. Es ist nur recht und billig, wenn der letzte Kampf im Hause Gottes ausgetragen wird. Dann werden wir sehen, wieweit seine Macht wirklich reicht.«

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»Deine Zurückweisung ist unklug. Begreifst du nicht, was er dir bietet?« Mason wandte nicht den Kopf, sah Tabitha nicht an. Sie wollte sie nicht bei sich, konnte ihre Gegenwart nicht ertragen. Aber Tabitha hielt das nicht auf. Als sie hinter Mason stand, grifft sie nach deren roten Locken, ließ sie durch die Finger gleiten. »Dein Haar ist wunderschön. Das ist dir gar nicht bewußt. Ein Flammenmeer.« Sie ließ von Mason ab, ging zum Frisiertisch und holte den Kamm.
Mason starre weiter die Wand an. Ließ sich dann doch dazu herab, etwas zu sagen. »Du verschwendest deine Zeit. Ihr alle hier tut das. Ich ändere meine Meinung nicht. Denn es gibt nichts, was er mir bieten könnte.«
Tabitha lachte leise. »Ist der Gedanke an eine Verbindung mit ihm wirklich so schrecklich für dich?«
Mason drehte sich um, sah sie an. »Dass ich mich verweigere, freut dich doch, nicht wahr? Weise ich ihn ab, lasse ich dir die Chance, ihn für dich zu gewinnen. Du kannst mir nichts vormachen.«
»Nur dass er mich nicht will. Und das wird sich nie ändern.« Tabitha kam zu ihr. Begann Masons Haar zu kämmen. »Das, was in dir ist, bringt ihn um den Verstand. Ich bin eifersüchtig. Natürlich. Eifersüchtig auf dich. Egal wieviel Zeit ich mit ihm verbringe. Ob ich ihm bereitwillig mein Blut schenke. All das hat keine Bedeutung, weil es dein Blut und dein Fleisch sind, nachdem er sich sehnt.« Tabitha kniete neben Mason nieder. Nahm ihre Hand. »Ich hasse dich nicht. Wenn ich es täte, wäre es leichter für mich. Aber ich kann es nicht. Trotz allem.« Sie legte den Kopf in Masons Schoß. »Hör auf zu kämpfen. Du kannst ihm nicht entkommen. Alles ist nur eine Frage der Zeit. In deinen Träumen kommt er zu dir. Deshalb schläfst du nicht. Weil du dich fürchtest, die Kontrolle zu verlieren.« Tabitha hob den Kopf, sah sie an. »Du kannst haben, was mir verwehrt ist. Verweigere dich ihm nicht. Zieh nicht seinen Zorn auf dich.«
Mason berührte sanft ihre Wangen. Spürte fast sowas wie Mitleid. »Er tut dir weh. Nicht wahr? Und doch wirfst du dich ihm zu Füßen. Gib ihm nicht soviel Macht über dich. Weise ihn in seine Schranken.«
Tabitha rutschte zu Boden, fixierte Mason mit ihren Mandelaugen. Lachte. »Jemandem wie ihm widerspricht man nicht ungestraft. Das solltest du wissen. Er wird sich deinen Trotz nicht ewig bieten lassen. Sei gewarnt.«

Kapitel 7

Der Wagen fuhr langsam durch die Straßen. Näherte sich dem Zielort. Keiner sprach ein Wort, als Malcolm den Van sicher durch die Einfahrt des Lagerkomplexes lenkte. Dort stoppte. Und ausstieg. Die anderen folgten. Simon schob die Seitentür auf. Griff nach dem Rucksack und verteilte Leuchtgranaten und UV-Pfeile. Fast lautlos schloss er die Tür wieder und drehte sich zu den Männern, die alle ihre Ausrüstungen überprüften.
»Laut Loris gibt es 3 Eingänge«, erläuterte Malcolm noch einmal. Und schaltete den Kommunikator an. Die anderen steckten sich ebenfalls die Stöpsel ins Ohr. »Wir müssen uns aufteilen. Da ist doppelte Vorsicht geboten. Wir können uns gegenseitig kein Backup geben. Zumindest 2 von uns nicht. Geoffrey, du näherst dich von 12 Uhr. Simon und Spencer von 9 Uhr. Ich nehme den Fronteingang. Schaltet die Thermoscanner an. Rot für lebend. Blau für tot. Aber wem erkläre ich das?«
»Alles klar.« Geoffrey legte ihm eine Hand auf die Schulter. »Wir werden nicht hadern. Wir werden nicht versagen. Gott ist mit uns.«
Malcolm lächelte. Gab das Handzeichen. Der Trupp schwärmte aus. Postierte sich. »Ab jetzt herrscht Funkstille. Nur im Notfall den Kommunikator benutzen.«
»Alles Roger«, war die einstimmige Erwiderung.
Zielstrebig rückte die Einheit weiter vor. Verteilte sich auf dem Gelände.

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Mason träumte. Sie wußte, dass sie träumte. Aber sie konnte einfach nicht aufwachen. Es war, als hindere sie jemand daran. Und dieser jemand stand in ihrem Zimmer und beobachtete sie dabei, wie sie sich in den Kissen wand und ihre Finger in die Decke krallte.
Sie lag auf einem großen Bett, das sich inmitten eines tosenden, schwarzen Meeres befand. So als wollte es sie jeden Augenblick verschlingen. Sie suchte nach einer Fluchtmöglichkeit von dieser Insel im Sturm. Aber es gab keine. Sie war gefangen. Gefangen an einem sehr dunklen Ort des Universums.
Da begann sich das Wasser vor ihren Augen zu teilen. Die Wogen hoben sich, stoben auseinander. Der Sturm heulte, die Gischt spritzte, als eine Gestalt aus den Fluten stieg. Makellos. Dunkel. Unheilig. Ein Blitz erhellte das Gesicht. Der Tod lächelte und bewegte sich auf sie zu. Sie kroch an den Rand des Bettes. Wich vor ihm zurück. Er streckte die Hand nach ihr aus. »Lass dich fallen«, hallte seine Stimme in ihren Kopf. Schnürte ihr die Kehle zu.
Mason fing an zu zittern. Es fühlte sich an, als krabbelten Ameisen über ihren Körper. In ihrem Traum wandte sie den Blick ab. Zwecklos. Er kam zu ihr. Sie rollte sich weg. Auch in der Realität wühlte sich Mason durch die Decken.
Er kam ihr nach. Lachte leise. »Dein Winden nützt dir nichts. Denn je mehr du dich von mir abwendest, umso näher komme ich dir, tauche in dich ein, nehme dir den Atem.« Er packte ihren Körper. Drückte sie in die Kissen und küßte sie. Eiseskälte, die sich an ihrer Hitze brach. »Dein Blut ist mein Blut.« Ganz langsam strich er mit der Zunge über ihren Hals. »Dein Blut ist mein Blut.«

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Malcolm schlich an der Wand entlang. Die Fenster waren mit Brettern vernagelt. Alles war ruhig. Er drehte sich einmal um sich selbst. Dann stieß er die Tür auf. Die Luft roch modrig. Von Verwesungsgeruch durchzogen. Dann sah er den Kadaver in der linken Ecke. Ein Hund. Zumindest schien es mal einer gewesen zu.
Langsam marschierte er den Gang entlang. Betete, dass die anderen auch auf Position waren. Loris hatte gesagt, am hinteren Ende des Ganges gab es eine Tür. Von dort führte die Treppe in den ersten Stock. Und dort war ihr Versteck. Malcolm zählte die Schritte. Als er an der Tür ankam, traf er auf einen roten Schatten im Thermoscanner. Der hob die Hand, tippte sich an die Stirn. Machte das Victory Zeichen. Spencer. Dann war Simon nicht weit. Gleich darauf erschien der zweite Umriss im Thermoscanner. Jetzt fehlte nur noch Geoffrey. Und auch der ließ nicht lange auf sich warten.
Mit dem Finger deutete Simon auf die einzige Tür, die vom Gang abging. Geoffrey und Spencer plazierten sich rechts davor, Malcolm links. Simon bildete die Nachhut. Auf Drei rissen sie die Tür auf.
Eine Gestalt stürzte heraus und verpasste Spencer einen Schlag, der ihn in hohen Bogen gegen die Wand schmetterte. Geoffrey erging es nicht besser. Ein weiter Vampir kam hinter dem anderen hervor, packte Malcolms Arm und zog ihn zu sich. Er hob geistesgegenwärtig den Pflock und rammte ihn der Kreatur in die Brust. Sie ging zu Boden. Und war staubige Geschichte.
Simon handelte blitzschnell. Er hob die Armbrust. Drückte ab. Der Pfeil schoss heraus. Bohrte sich zielsicher in die Brust des ersten Vampirs, der sich gerade auf ihn stürzen wollte. Er machte ein paar Schritte, dann fiel er vor dem Soldaten nieder. Bewegte noch die Hand und klammerte sie um Simons Bein. Als das UV-Licht zu wirken begann, explodierte er in einer Staubwolke.
Ein weiterer Vampir kam aus dem Raum, direkt auf Malcolm zu. Er riss sich den Thermoscanner vom Kopf. Sah sich einer wunderschönen Frau gegenüber. Doch als sie die Zähne fletschte, kam er zur Besinnung. Holte mit der Armbrust aus und schlug sie ihr ins Gesicht. Sie heulte auf. Fiel nach hinten. Malcolm zielte und auch diese Untote befand sich gleich darauf im Hades für Vampire. »Ausschwärmen! Los!« befahl er.
Spencer hatte sich wieder aufgerappelt. Zusammen mit Simon stürmte er die Treppe rauf. Malcolm und Geoffrey hielten die Stellung. 3 hatten sie ausgeschaltet. Wie viele warteten noch auf sie?
4 Türen auf dem Gang. Eine nach der anderen rissen die beiden Soldaten sie auf. Durchsuchten die Räume. Lautlose Stille und Leere. Nur das Hallen ihrer eigenen Schritte. Die letzte Tür war noch übrig. Spencer nickte Simon zu. Er lud die Waffe durch. Nickte. Spencer öffnete vorsichtig die Tür, hielt die Armbrust im Anschlag und sprang hinein. Und warf eine Leuchtgranate. Als das gleißende Licht den Raum erhellte, erregte ein Geräusch seine Aufmerksamkeit. Er wandte den Kopf und blickte an die Decke. »Scheiße!« entfuhr es ihm. »Sieh nach oben! Sie sind über uns!«
In diesem Moment stieß eine der Kreaturen auf sie herab. Spencer stolperte rückwärts, verlor die Balance und prallte gegen Simon, riss ihn mit sich zu Boden. Beide fluchten laut. Spencer wehrte den Vampir mit der Waffe ab. Die Kreatur versuchte, ihn zu beißen. Sie war stark. Der Soldat konnte sie nicht abschütteln.
Hände, die ihm die Armbrust entwanden. Der Bolzen krachte und der Pfeil schoß an ihm vorbei, bohrte sich in die Stirn des Vampirs, riss ihn in hohem Flug von Spencer fort. Nagelte in die gegenüberliegende Wand. »Tut mir leid!« hörte er Simons Rechtfertigung. Er hatte seine Armbrust ergriffen und für ihn abgedrückt.
»Schon gut!« Spencer kroch zur Seite. Stand auf. »Bringen wir es zu Ende!« Er zog den Pflock aus dem Waffengurt und rammte ihn dem Untoten in die Brust. Er löste sich augenblicklich zu Staub auf. Der zweite Vampir - nach Statur und Kleidung eine Frau - war an der Wand entlang in den Flur geflohen. Eilte zur Treppe. Dort wurde sie bereits von Geoffrey und Malcolm in Empfang genommen. Simon und Spencer hörten nur das Heulen. Als es erstarb, wussten sie, auch der Vampir war Geschichte.

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Seine Hände wanderten über ihre Hüften, zogen das Hemd hoch. Mit den Knien drückte er ihre Schenkel unerbittlich weiter auseinander. Mason keuchte. Wußte, er würde nicht damit aufhören. Er wollte sie besitzen. Körper und Geist gefangen in ihm. »Dein Blut ist mein Blut«, flüsterte er. »Und mein Blut ist deins. Lass uns ineinander ertrinken. Lass uns für alle Ewigkeit eins sein.« Er küßte ihre Halsbeuge.
Mason warf den Kopf hin und her. Alles drehte sich, ihr Herz raste, ihr ganzer Körper pulsierte.
»Öffne deine Augen. Sieh mich an!« raunte er heiser. »Siehst du mich? Siehst du mich, Mary?«
Mason wand sich. Noch war die letzte Barriere nicht gebrochen. Auch wenn ihr Körper schmerzhaft nach ihm schrie. Sie preßte die Lippen zusammen. Wimmerte. Finger streichelten ihr Gesicht. Von der Stirn über die Nase hinunter zum Mund. Sanft wie ein Lufthauch. Träge öffnete sie die Augen. Blickte die teuflische Traumgestalt an. Auf seinen Lippen lag ein Lächeln. »Nun Mary, siehst du mich? Fühlst du mich?« Als er das sagte, wußte sie, sie träumte nicht mehr. Er war wirklich hier. Bereit für seinen Triumph.
»Ja... Ich... ich... sehe... dich!« hauchte sie. Tastete nach der Lampe auf dem Nachttisch und schlug sie ihm gegen den Kopf. Er fiel in einem Regen aus Tiffanyglas vom Bett. Sie warf die Decke zurück. Sprang über ihn hinweg. Doch weit kam sie nicht. Er packte ihren Knöchel und riss daran. Mason ging ebenfalls zu Boden. Der Aufschlag wurde nur wenig vom Teppich gedämpft. Sie strampelte. Trat nach ihm. Erwischte ihn im Gesicht. Drehte sich auf den Bauch und begann vorwärts zu kriechen. Die Splitter der zerbrochenen Tiffanylampe schnitten in ihre Handflächen. Mason kroch weiter. Hinterließ rote Abdrücke auf dem Teppich. Ihre Finger berührten eine große Scherbe. Groß genug, um als Waffe zu dienen. Sie schnappte sie und kam schwankend auf die Beine.
Auch er erhob sich. Lächelte diabolisch. Die Wunde an seinem Kopf hatte sich bereits geschlossen. Sie hatte nich mal geblutet. Wie denn auch? Tote bluteten nicht. »Legst du es darauf an, mich wütend zu machen?« spöttelte er. Hielt ihr die Hand hin.
Mason schluckte. Schüttelte den Kopf. Ging auf ihn zu. Die Linke hinter dem Rücken verborgen, umfasste sie die Scherbe fest. Sie mußte ruhig bleiben. Durfte ihn nicht alarmieren. Er packte ihre Schultern. Zog sie zu sich. Küßte sie. Zum ersten Mal real. Seine Lippen waren weich. Verführerisch. Eiskalt. Mason zitterte. Sie dufte nicht fallen. Nicht jetzt. Sie durfte nicht. Bevor seine Macht zu stark wurde, befreite sie sich von ihm, indem sie ihn in die Lippe biss. Er lachte. Wähnte sich sicher.
Da holte sie mit der Scherbe aus. Und stach sie ihm in den Hals. Stieß ihn von sich. Er kippte hintenüber. Ohne eine Sekunde zu warten, wandte Mason sich um und rannte zur Tür. Sie war unverschlossen. Sie riss die Tür auf. Hastete blindlings den Gang entlang.

Liebe Grüße
Caelin
CaelinDaell
War ein bißchen stressig in der letzten Zeit, aber jetzt geht's weiter. ohmy.gif)

Viel Spaß beim Lesen!

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»Wo ist Mason bloß?« Simon starrte Spencer an. »Der Raum hier ist leer. In den anderen waren wir schon.«
»Dann muss es irgendwo noch einen geben. Versteckt.« Er lauschte. »Hörst du das auch? Da sind Schritte hinter der Wand. Jemand rennt. Warte mal.« Er trat näher an die Wand und legte sein Ohr daran. »Dachte ich es doch. Hinter diesen Räumen liegen noch weitere versteckt.«

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Mason rannte. Wischte sich dabei die blutigen Hände am Nachthemd ab. Alle Türen, die sie bisher aufgestoßen hatte, führten nur in weitere Zimmer. Keine führte nach draußen. Es war wie verhext. Wohin sie sich auch wandte, sie kam einfach nicht aus diesem Labyrinth raus. Fahles Licht schien auf sie herab. Sie hob den Kopf. Ein Oberlicht. Schwarz gestrichen. Doch an einigen Stellen war die Farbe abgebröckelt. Draußen wurde es Tag.
Ein Schnauben hinter ihr. Sie drehte sich nicht um. Lief weiter und bog um eine Ecke. Und erkannte die Falle. Keine Türen mehr. Dafür eine Wand. Sie wich zurück und preßte sich dagegen. Im selben Moment kam ein schwarzer Wolf um die Ecke. Stoppte. Starrte sie an. Fletschte die Zähne. Dann streckte er sich. Nahm wieder menschliche Gestalt an.
»Du bist ein sehr unartiges, kleines Mädchen«, raunte er ihr entgegen. Kniff die Augen zusammen.
»Ich habe keine Angst vor dir!« spie sie ihm entgegen.
»Und warum zitterst du dann so?« höhnte er und kam näher.
Mason zog sich in eine der Ecken zurück. Erlangte Gewißheit in seinen Augen. Diesmal würde er sich nehmen, was er wollte. Erst ihr Fleisch. Dann ihr Blut. Sie wußte, dass es kein Entkommen gab. In ihrer Verzweiflung fing sie an zu beten. »Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft. Vor wem sollte mir grauen?«
Er schnaubte. Drehte den Kopf. »Lass das!« brummte er.
Doch Mason hörte nicht auf. Wenn Gebete das Einzige waren, was ihn aufhalten konnte, dann würde sie beten, bis ihr die Zunge abfiel. »So die Bösen, meine Widersacher und Feinde, an mich wollen. Mein Fleisch zu fressen. So müssen sie anlaufen und fallen.«
Er hielt sich die Ohren zu. »Ich sagte, du sollst das lassen!«
Mason straffte sich. Erhob ihre Stimme. »Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist. Und deine Wahrheit soweit die Wolken gehen. Denn bei dir ist die Quelle des Lebens. Und in deinem Licht sehen wir das Licht.«
»Genug jetzt!« zischte er. Und kam auf sie zu.

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Spencer tippte den Kommunikator an. »Malcolm, ich brauche deine Hilfe. Was hat Loris dir noch erzählt? Hat er von einer zweiten Ebene gesprochen?«
Es rauschte. Dann kam Malcolms Stimme. »Nein, das hat der Bastard verschwiegen. Könnt ihr den Eingang finden?«
»Er ist bestimmt verdammt gut versteckt«, brummte Spencer.
»Wir müssen was riskieren«, antwortete Simon. »Die Wände sind nicht dick. Sie wurden nachträglich eingesetzt. Wir brechen einfach durch.«
»In Ordnung. Braucht ihr uns?«
»Ja, kommt rauf.« Simon unterbrach die Verbindung, sah Spencer an. »Wir nehmen die Armbrust als Rammbock.«
»Okay.« Beide stellten sich rechts und links von der Wand auf. Hoben die Armbrüste und schlugen zu.

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In dem Moment, als er Mason fast erreicht hatte, krachte es rechts in der Wand. Es rieselte Staub und Schutt. Krachte erneut. Das Loch wurde größer. Ein Kopf erschien. Und eine Stimme fragte verwirrt: »Mason?«
»Oh, Gott...«, hauchte sie. »Simon. Simon!!!« Sie stieß sich von der Wand ab und rannte zum Loch.
Doch ihr Widersacher schnitt ihr den Weg ab. »Sie können dich nicht retten.«
»Doch, können wir!« sagte Simon nur und warf eine Leuchtgranate.
Mason kniff die Augen zu und tastete sich blindlings voran. Bekam Simons Hand zu fassen. Er zog. Doch jemand anderer zog auch an ihr. Hatte sie fest um die Hüften gepackt. Brach ihr dabei fast die Knochen. Mason kämpfte verbissen, während Spencer auf der anderen Seite versuchte, das Loch zu vergrößern. Es dauerte zu lange. Sie spürte, wie sie Simons Griff entglitt. »Gib mir deine Pistole!« brüllte Mason gegen den Lärm an. »Gib sie mir! Sofort!«
Als sie das kalte Metall in den Fingern spürte, ließ sie Simon los. Warf sich gegen den Körper hinter sich, hob die Arme und feuerte wie wild aufs Oberlicht. Das Glas splitterte. Regnete auf sie runter. Machte den Weg frei für die unbarmherzigen Strahlen der Sonne.
Ein wütendes Fauchen hinter hier. Sie schlug mit dem Kolben auf die Hände, die sie hielten.
Da erschien Simons Oberkörper im Loch in der Wand. Auch er war bewaffnet. Schoß weitere Löcher ins Glasdach. Es regnete noch mehr Splitter. Und noch mehr Licht erhellte den Gang.
Mason stemmte sich gegen ihren Widersacher. Trat nach ihm. Er fluchte. Das Sonnenlicht versengte seine Haut. Sie wehrte sich nach Leibeskräften. Wenn er in Flammen aufging, würde sie mit ihm verbrennen.
»Mary!« Er schrie ihren Namen. Voller Schmerz. »Mary!« Ein Seufzer. Dann ließ er sie los.
Sie stolperte vorwärts auf Simon und Spencer zu. Die packten sie und hievten sie durch das Loch in der Wand. Als die fast hindurch war, warf sie einen Blick zurück. Der Gang hinter ihr war leer. »Es ist noch nicht vorbei«, flüsterte sie.
»Nein, aber diese Schlacht haben wir gewonnen.« Spencer zog die Jacke aus und hängte sie ihr um. Dann rannten sie durchs Zimmer, die Treppe runter. Hinaus ins schützende Sonnenlicht. Mason spürte das Pochen ihrer Venen. Doch diesmal drehte sie sich nicht um. Sie wußte auch so, dass er ihr nachsah.

Kapitel 8

Malcolm tauchte den Wattestab in die Tinktur. Strich das Antiseptikum über ihre von Schnitten übersäten Hände. »Er weiß nicht, wo du bist. Außerdem kann er nicht Autofahren. Vorerst bist du sicher.«
Sie wackelte mit den Fingern. Sehnen waren nicht verletzt. »Ich bin nirgendwo sicher«, erwiderte sie leise. »Das weiß ich jetzt. Er findet mich, wohin ich auch laufe. Er findet mich.«
»Darauf hoffen wir auch«, meinte Spencer und reichte ihr ein Glas mit Whisky. »Das ist nämlich der Plan.«
»Plan?« Mason sah ihn verwundert an. Trank einen Schluck. Hustete.
Malcolm kniete vor ihr nieder. »Ja. Der Plan. Wir bringen dich zurück nach Holy Falls. Es ist bereits arrangiert.«
»Wir werden dort auf ihn warten. Und dann kriegen wir ihn«, meinte Spencer optimistisch.
»Das Kloster ist kein öffentlicher Ort. Er muss um Einlaß bitten«, erklärte Malcolm. »Wir werden sofort wissen, wenn er da ist. Wenn er denn wagt, ein Haus Gottes zu betreten.«
Mason lächelte. »Ich glaube nicht, dass ihm das viel ausmacht. Nicht die Bauten. Der Glaube schon. Gebete. Damit konnte ich ihn zeitweilig aufhalten.« Sie reichte Spencer das Glas zurück. »Wie habt ihr mich überhaupt gefunden?«
Malcolm stand auf. Grinste. »Durch einen seiner Art. Ist schon ironisch, oder? Er hat den Sohn Gottes für schnöden Mammon verraten. Und dann verrät ihn einer seiner treuesten Anhänger ebenfalls aus niederen Beweggründen. Loris ist es gewesen. Er hat gemerkt, dass er da etwas sehr Böses auf die Menschheit losgelassen hat. Und ohne uns - im besonderen dich - kann er es nicht mehr loswerden.«
»Apropos Loris«, warf Spencer ein. »Meinst du nicht, wir sollten ihn....« Er fuhr sich mit dem Finger über den Hals.
»Nein!« ging Mason dazwischen. »Die Strafe für das, was er getan hat, wird er bekommen. Aber nicht durch uns. Wir werden nicht seine Henker sein. Laßt ihn frei.«
»Bist du dir sicher?« wollte Malcolm wissen.
Mason stand auf. »Ja, so sicher, wie ich weiß, dass ich jetzt erst einmal ein Bad brauche.«

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Er hockte in der Ecke des dunklen Zimmers. Leckte seine Wunden. Der Schmerz war längst gegangen. Doch die Wut war geblieben. Ihre Gebete waren schlimmer gewesen als das Sonnenlicht. Nicht die Worte, die sie sprach sondern die Freude darüber, dass sie ihm damit weh tat.
Er ballte eine Hand zu Faust. Schlug sie auf den Boden. Dann stand er auf. Noch war nicht alles verloren. Sie war noch immer empfänglich für seine Gedanken. Er legte sich in das Bett, in dem sie noch vor kurzen geschlafen hatte, breitete die Arme aus und schloß die Augen. Dann schickte er seinen Geist auf Reisen. Er würde sie finden. Sie konnte sich nicht vor ihm verstecken. An keinem Ort der Welt.

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Mason zog das blutbefleckte Nachthemd aus. Ließ es achtlos zu Boden fallen. Stellte die Dusche an. Betrachtete sich im Spiegel über dem Waschbecken. Ein blasses Schreckgespenst blickte ihr entgegen. Die Haare wirr. Ringe unter den Augen. Ihre Hände schmerzten. Aber das Antiseptikum wirkte bereits. Hatte einen festen Haftfilm gebildet. Als sie darüber fuhr, fühlte es sich seltsam an. Trotzdem lächelte sie. Sie hatte Blut vergossen. Ja. Aber nicht auf die Art, wie er es gern gehabt hätte.
Als die Temperatur passend war, stieg sie unter den prasselnden Strahl. Neigte den Kopf und ließ das Wasser über ihren Körper laufen. Sie stützte beide Hände vor sich an die Wand und schloss die Augen. Atmete tief ein und aus.
Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter, dann eine Zweite an ihrem Becken. Ein Körper presste sich von hinten an sie. Lippen küssten ihre Schulter. Sie schrie auf. Befreite sich von den Händen und fuhr herum. Starrte IHN an. Zog sich gegen an die kalten Fliesen zurück.
Als sie etwas sagen wollte, legte er ihr die Finger an den Mund. Flüsterte: »Lass dich fallen. Ich werde dich halten.« Dann umarmte er sie. Drückte seinen Körper gegen ihren.
Ihr sträubten sich sämtliche Härchen. Doch zwang sie sich, den Kopf zu heben, ihn anzusehen. In seinen Augen lag ein seltsamer Schimmer. Dann lächelte er. Küßte sie. Fuhr mit den Fingern ihr Rückgrat hinab. »Sei mein. Jetzt und in alle Ewigkeit!«
Mason stöhnte auf. Obwohl ihre Vernunft ihr riet, nicht nachzugeben, lehnte sie sich gegen ihn. Er lachte rau. Schob sie gegen die Wand der Duschkabine. Sie klammerte sich an ihn. Grub ihre Nägel in sein Fleisch. Er küsste sie wieder und wieder, bis ihre Lippen brannten und sich der Boden unter ihr zu drehen begann.
In diesem Moment traf etwas Kaltes Masons Brustkorb. Sie schreckte zusammen. Schüttelte verwirrt den Kopf und registrierte, dass sie am Boden der Duschkabine saß. Das Wasser war mittlerweile kalt geworden und prasselte eisig auf sie nieder. Von IHM keine Spur.
»Oh, Gott...«, murmelte sie. Drehte den Wasserhahn ab und stieg aus der Dusche.
Mason nahm sich kaum Zeit, sich abzutrocknen. Schlüpfte eilig in ihre Sachen. Die feuchten Haare durchnäßten ihr Shirt, als sie die Treppe ins Untergeschoß hinunter rannte. Die Mannschaft war in der Bibliothek versammelt. »Es geht los«, sagte sie nur. »Wir müssen aufbrechen. Sofort.« Sie fing an zu zittern. Schlang die Arme um sich.
Geoffrey näherte sich ihr. »Mason. Was ist...?«
Sie wehrte ihn ab. »Er war in meinem Kopf. In meinen Gedanken. Er... er weiß jetzt, wo ich bin.« Sie sackte auf den Teppich. Hob den Kopf und starrte an die Decke. »Warum?« flüsterte sie. »Warum tust du mir das an? Warum, Gott? Warum?«

Kapitel 9

Er wußte jetzt, wo sie war. Richmond. Mary hatte es ihm gesagt, als er in ihrem Kopf gewesen war. Er konnte das Haus vor seinem inneren Auge sehen. Die Straße. Alles. Er würde es finden. Doch dazu mußte er erst einmal nach Richmond gelangen. Als er die Sachen seiner toten Wiedererwecker durchwühlte, fand er einen Stadtplan. Er breitete ihn vor sich aus, betrachtete die vielen Namen. Carfax. Sein Grab für über 100 Jahre. Die Dockyards. Heute völlig anders, als sie damals gewesen waren. White Chapel. Westminster. Mit dem Finger fuhr er die Straßen nach. Dann fand er, was er suchte. Lächelte. Sie konnte ihm nicht entkommen.

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Mason stand vor dem Kamin. Massierte ihre Schläfen. Das Pochen war fast unerträglich. Aber sie wußte, Tabletten halfen da nicht. Sie versuchte es stattdessen mit Gebeten. Aber diesmal brachten sie nicht den gewünschten Erfolg. Der Trommler war weiter am Werk und hatte sich zum Trotz noch einen Bruder als Verstärkung geholt.
Hinter ihr herrschte emsiges Treiben. Die Jungs packten die Ausrüstung zusammen. Sie wollte helfen, war sich aber klar, dass sie in ihrem jetzigen Zustand nur im Weg rumstehen würde. Sie konnte sich kaum noch konzentrieren. Ihr Herz raste, als würde es gleich zerspringen. Sie fürchtete sich. Weil sie die Kontrolle über ihr Selbst verlor.

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Der Weg in den belebten Teil der Stadt war unangenehm. Das Sonnenlicht eine Qual. Trotz Kapuze, Sonnenbrille und Handschuhen. Aber er ging nicht in Flammen auf. Erreichte den Ort, an den er wollte. Dieser Punkt ging an ihn. Er sah sich um. Massen von Menschen. All ihre Gerüche betäubten ihn fast. Er ging weiter. Betrat du U-Bahn Station. Er wußte, was er tun mußte. Wußte nur nicht wie. Das hatte ihm Loris nicht erklärt.
In den unterirdischen Gängen war es dunkel. Er zog die Kapuze vom Kopf. Schob sich die Sonnenbrille in die Haare. Und ging weiter. Eine junge Frau, die einen Koffer hinter sich herzog, drehte sich um. Starrte ihm mit offenen Mund nach. Und rannte gegen einen Pfeiler. Sie ging zu Boden.
Er lächelte. Zog sich in eine Gruppe Menschen zurück. Sie schwatzen in einer Sprache, die er nicht verstand. Er umrundete sie, ging weiter. Suchte sich einen Punkt, von dem aus er die Menge beobachten konnte. Er mußte sehen, was sie taten. Damit er es ihnen nachmachen konnte. Er hatte noch nicht die Macht, sie alle zu bannen, sollte er auffallen. Also war es besser, er fiel gar nicht erst auf.
Als er genug gesehen hatte, ging er langsam zu einer Maschine, die in eine der Wände eingelassen war. Stellte sich an die Seite. Sah einem Mann in Anzug dabei zu, wie er Münzen in einen Schlitz warf. Einen Knopf drückte und dann einen Zettel bekam. Das war der erste Schritt. Als der Mann gehen wollte, trat er ihm in den Weg. Sah ihn einfach nur an. Lächelte. Kaum eine Sekunde später reichte der Anzugträger ihm das Ticket. Er nahm es, marschierte zu einer Schranke und schob es in den Schlitz. Machte es so, wie er es bei einer Frau gesehen hatte. Die Schranke ging auf. Er spazierte hindurch.
Die Menschenmassen zogen ihn mit sich. Er ließ sich treiben. Eine Rolltreppe. Das kannte er. Er stieg drauf. Fuhr weiter nach unten. Spürte die elektrischen Schwingungen in der Luft. Sie wurden stärker, je näher er dem Bahnsteig kam. Er blieb stehen. Wußte nicht genau wohin.
Da sprach ihn eine Frau an. Eine ältere Matrone mit verlockend süßlichem Duft. »Entschuldigen Sie. Aber Sie sehen so verloren aus. Kann ich Ihnen vielleicht helfen?«
Er lächelte. Und ob sie das konnte. Doch erst das Geschäft dann das Vergnügen. »Richmond«, sagte er nur.
»Ah«, erwiderte sie verstehend. »Da kommen Sie von hier aus nicht direkt hin. Nehmen Sie die Piccadilly Line in Richtung Heathrow oder Uxbridge. Fahren Sie damit bis Hammersmith und steigen Sie in die District Line um. Dort nehmen Sie den Zug, der direkt nach Richmond führt. Und schon sind Sie da.«
Er nahm galant ihre Hand und drückte ihr einen Kuss auf. Sie sah ihn an, die Augen weit aufgerissen. Er führte sie zu einer der Sitzgruppen, drückte sie auf den Stuhl und setzte sich neben sie. Sie sank gegen seine Brust. Auf Passanten wirkte es so, als hätte sie einen Schwächeanfall erlitten und ihr Sohn kümmerte sich um sie. Das tat er auch. Aber nur er war der Gewinner dabei. Als der Zug einfuhr, wartete er, bis alle Passagiere ausgestiegen waren. Durch sein feines Gehör erkannte er, wann der Zug wieder losfahren würde. Kurz bevor sich die Türen schlossen, sprang er auf. Eine einzige fließende Bewegung. Von den Umstehenden kaum wahrgenommen. Die tote Frau sackte ihres Halts beraubt in sich zusammen.

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Langsam wandte sich Mason vom Kamin ab. Warf einen Blick auf Malcolm. Nach Victors Tod war er ihr Fels in der Brandung. Sie liebte ihn. So wie sie Victor geliebt hatte und wie sie jetzt ihren Vater lieben würde, wäre er noch am Leben. Viel zu schnell vergaßen die Augen die, die man nicht mehr um sich hatte. Doch das Herz vergaß niemals. Dort lebten sie alle weiter. Mary van Helsing. Simon Shepperd. Brendan MacAran. Victor Fraser.
Masons Gedanken schweiften ab. Sie schloss die Augen, konnte Victors Gesicht sehen. Weißes Haar. Weißer Bart. Beides kurzgeschoren. Die Narbe auf der rechten Wange. Von den Krallen eines Vampirs. Ihr Freund. Ihr Vertrauter. Malcolms großer Bruder. Victor.

...

Mason bekam einen kräftigen Stoß vor die Brust. Stürzte rückwärts über eine Holzkiste, die es in diesem Lagerhaus in Unmengen gab. Sie hielt den Pflock fest umklammert, konzentrierte sich auf ihr Gegenüber. Das Wesen kam näher. Sprang sie mit einem Satz an, riss ihr die Waffe aus den Händen, warf sie um und landete auf ihrer Brust. Presste ihr die Luft aus den Lungen. Mason rang nach Atem. Mit der letzten Kraft, die ihr Körper bereit war, ihr zu geben, stieß sie das Geschöpf der Nacht weg. Der Vampir flog durch die Lüfte und landete unbeschadet vor ihr auf dem Boden. Er lachte, dass ihr das Blut in den Adern gefror. Sie zog das Kreuz hervor, das sie bei sich trug. Richtete es auf den Vampir. »Weiche, du Ausgeburt der Hölle! Weiche!« schrie sie.
»Dummer Aberglaube! Das wird dich nicht retten!« raunte der Blutsauger.
»Aber das mit Sicherheit!« drang plötzlich eine Stimme zu ihnen hinüber. Der Vampir fuhr überrascht herum. Ein Pfeil traf ihn in die Brust. Er explodierte in einer Wolke aus Staub, die sich über Mason ergoß und einen Hustenanfall auslöste, da sie sich nicht mehr rechtzeitig hatte schützen können.
Victor tippte sich an die Stirn und lächelte schief. Da stürmte eine Gestalt auf ihn zu, verpaßte ihm einen gewaltigen Schlag. Er wurde durch die Luft gewirbelt. Prallte gegen eine Wand. Stöhnend sank er zusammen und krümmte sich. Seine Armbrust lag ein Stück von ihm entfernt. Er kroch darauf zu. Blut lief ihm aus Mund und Nase.
Sofort kam Mason auf die Beine und zog einen weiteren Pflock aus ihrem Gürtel. Sie rannte auf Victor zu, stieß einen wütenden Schrei aus. Der Vampir wandte den Kopf und grinste sie an. Dann drehte er sich wieder Victor zu. Bevor Mason ihn erreichen konnte, geschah es. Hilflos musste sie mit ansehen, wie die dunkle Kreatur seinem Freund einen Schlag vor den Kehlkopf verpaßte.
Mason handelte, als hätte jemand anderer in ihr die Kontrolle übernommen. Sie sprang den Vampir frontal an, riss ihn dabei von den Beinen. Stieß ihm den Pflock durch die Brust. So tief sie konnte. Der Vampir heulte auf. Bäumte sich vor Schmerz, schlug mit den Armen um sich. Mason achtete nicht auf die Kratzer, die sie sich dabei zuzog. Sie griff nach dem Langdolch an ihrem Gürtel. Trennte dem Wesen unter sich mit einem Hieb den Kopf ab. Der Vampir löste er sich in feuchten Moder auf. Mason fiel zu Boden. Ließ das Messer los. Hielt sich keuchend auf den Knien. Doch lange verharrte sie nicht so, sondern kroch zu Victor hinüber.
Der gebrochene Kehlkopf versperrte ihm die Luftzufuhr. Er röchelte, während Blut aus seinen Mundwinkeln sickerte. Sprechen konnte er nicht mehr. Stattdessen griff er Masons Hand und drückte sie. Sie sah ihn traurig an, wollte ihm etwas sagen, konnte es aber nicht. Deshalb hielt sie einfach nur Victors Hand. Als sich der Jäger nicht mehr bewegte, zeichnete sie ihm das Kreuz auf die Stirn. Obwohl sie als Nonne nicht dazu befugt war. Doch Gott legte keinen Einspruch ein. Und schloss ihm behutsam die Lider.

...

Malcolm berührte sie am Arm. »Alles okay?« fragend sah er sie an.
Sie nickte müde. »Ich dachte gerade an Victor. Er fehlt mir.«
»Mir fehlt er auch. Jeden Tag. Doch als wir uns entschieden, diesen Weg zu gehen, umarmten wir auch den Tod, der damit verbunden ist. Victor wacht über uns. Ich bin sicher. Er und dein Licht, Mason. Du bist etwas sehr Besonderes.«
»Ich bin nichts Besonderes. Nicht besser und nicht schlechter als ihr anderen hier.«
Malcolm sah Mason an. Seine Mundwinkel umspielte ein geheimnisvolles Lächeln. »Wir sind auch besonders. Jeder auf seine Art. Geoffrey ist ruhig und besonnen, Simon ist schnell und wachsam, ich bin manchmal ein Hitzkopf. Und Spencer ist für seine jungen Jahre schon beachtlich gesetzt. Wir sind wie die fünf Finger einer Hand. Erst zusammen kann man uns zu einer Faust ballen.«
»Und Ferris?« Mason massierte ihre Schläfen. »Er war auch einer von uns.«
Malcolm nickte. »Sein Verlust schmerzt mich. So wie der von Victor. Doch ich versuche es unter dem Aspekt zu sehen, dass Gott andere Pläne mit ihm hatte.«
Mason schnaubte: »Ist mir für eine Erklärung zu dürftig.«
Malcolm legte ihr die Hände auf die Schultern. »5 ist eine heilige Zahl. 7 die Zahl des Bösen. Deshalb mußten erst Victor und dann Ferris sterben. Damit wir werden können, was wir werden müssen. Um den EINEN zu besiegen. Wenn du ehrlich zu dir bist, Mason, dann weißt du, dass ich Recht habe.« Mit diesen Worten küßte er ihre Stirn.

TBC

Liebe Grüße
Caelin
Dream
Man das geht ja richtig ab. Super story. Weiter so gg.
CaelinDaell
Du meinst, dass schon das richtig abgeht? smile.gif
Och, die laufen sich grad noch warm. biggrin.gif

Mein wirrer Verstand spuckt so einige Dinge aus. Und da Vampire mein Lieblingsthema sind... kracht's und knallt's und spritzt Blut bald an allen Ecken und Enden.
Die Idee aus dem Film mit Judas hat mich erst so richtig auf Touren gebracht. Genial. Da läßt sich eine Menge draus machen. Frage mich, warum da früher noch keiner draufgekommen ist. Die Ableitung bot sich doch regelrecht an. smile.gif

Aber jetzt mal weiter im Text...

¯¯¯
Er lehnte nahe der Tür. Die Arme lässig vor dem Körper verschränkt. Das Rumpeln der Wagen hatte keine Wirkung auf ihn. Er kämpfte nicht wie die anderen Stehenden um sein Gleichgewicht. Er wußte, er wurde angestarrt. Doch diesmal ignorierte er es. Sein Hunger war fürs Erste gestillt. Warm und erfüllend rann das Blut der Frau durch seine Venen. Versetzte ihn fast in Hochstimmung. Ein Rausch, den er liebte. Warum nur glaubte Mary, dass es ihm eine Last war? Sie würde es schon noch verstehen, wenn sie in seine Welt getreten war. Sie würde die Dunkelheit mit ihm teilen. Und auch das Blut. Er lächelte versonnen. Die Hitze ihrer Haut. Sie würde erkalten. Aber vereint mit ihm würden selbst eisige Flammen bis zum Himmel lodern. Sie würden Gott verspotten. Wenn sich ihre Körper verbanden und eins wurden, wie es ihr Blut längst war. Er, der Jünger, der den Sohn verraten hatte und sie, die Nonne, die in seinen Armen den Vater verraten würde.
»Mary«, murmelte er leise. Schloß die Augen. Sah sie. Sie und den an den Schläfen schon leicht ergrauten Mann.
Der küßte Marys Stirn. Dann wandte er sich ab. Blickte auf die anderen 3 Männer. »Laßt uns aufbrechen.«
ER runzelte die Stirn. Aufbrechen? Wohin? Er senkte sich tiefer in Marys Geist. Doch diesmal versteckte er sich. Er ließ sie nicht wissen, dass er da war. Wirre Bilder umschwirrten ihn. Kindheitserinnerungen, Albträume. Verborgene Sehsüchte. Ein neues Bild tauchte auf. Zuerst unscharf. Dann flackerte es. Wurde deutlicher. Weil Mary sich darauf konzentrierte. Ein Gebäudekomplex von Steinmauern umgeben. Er begriff sofort, was es war. Ein Kloster. Das Kreuz auf dem Turm der Basilika ragte hoch auf und glänzte im Licht.
»Sag mir den Namen«, flüsterte er lautlos. »Sag mir, wo dieser Ort ist.«
Ein Raunen drang zu ihm. Wispernd. Echoend. »Holy Falls. South Downs. Coppers Mill.« Dann verstummte es.
Die Verbindung war abgerissen.

¯¯¯
»Mason?« Spencer schüttelte sie. Sie stand auf der Treppe vorm Haus. Starrte ins Nichts. »Mason?« Er schüttelte heftiger. Sie blinzelte, blickte ihn verwirrt an. »Mason, wo warst du gerade?«
»Ich weiß auch nicht...«, murmelte sie. »Es war merkwürdig. Eine fast friedvolle Stille in mir. Als hätte ich die Welt um mich herum zum ersten Mal so richtig gespürt. Ich war ganz leicht. Fast wie eine Feder.«
»Na, dann komm du Feder«, meinte Simon grinsend. »Schwing deinen Hintern in den Van.«
Mason verzog das Gesicht. Sagte nichts. Spencer folgte Simon. Sie lächelte Geoffrey an. Der betrachtete sie skeptisch. »Was?« wollte sie wissen.
»Kann ER es gewesen sein?« fragte er rau.
»Friedvolle Stille im Inneren? ER? Wohl kaum.« Sie drehte sich um, stieg die Treppe runter und kletterte in den Van.

¯¯¯
Er mußte aus diesem Wagen raus. Denn er führte nicht mehr zum gewünschten Ziel. Mary hatte Richmond verlassen. Sie floh. War auf dem Weg zu einem Kloster. Glaubte sie etwa, sie konnte sich dort vor ihm verstecken?
Als die Bahn in die nächste Haltestelle fuhr, stieg er aus. Hastete durch die Gänge nach oben. Er mußte ein Gefährt finden, das ihn nach Coppers Mill brachte. Als er die U-Bahn Station verließ, zog er die Kapuze über den Kopf. Setzte die Sonnenbrille auf. Das Licht war schmerzhaft. Er senkte den Kopf. Schob sich an den Menschen vorbei. Betrat die Earls Court Road. Autos parkten am Straßenrand. Eins davon würde ihn nach Coppers Mill bringen. Das Problem war nur, er wußte nicht, wie man fuhr. Er brauchte einen Helfer. Suchend blickte er sich um. Unterdrückte den Schmerz, den die Sonne ihm verursachte.
Passanten strömten an ihm vorbei. Umwirbelten ihn wie ein Strudel. Brachten seine Sinne durcheinander. Er ballte die Hände zu Fäusten. Ihm lief die Zeit davon. Er brauchte ein Auto. Und er mußte aus der Sonne raus. Sein Blick fiel auf einen Wagen mit getönten Scheiben. Im selben Moment steuerte eine Frau zielstrebig darauf zu.
Er lächelte verschlagen. Wenn man das nicht Glück nannte. Er näherte sich ihr. Sie hielt überrascht inne. Musterte ihn. In seiner schwarzen Vermummung wirkte er nicht sehr vertrauenserregend. Ihm blieb keine Wahl. Er nahm die Sonnenbrille ab. Sah ihr tief in die Augen.
Sie starrte ihn gebannt an. Gab einen Seufzer von sich. Die Hand mit dem Schlüssel verharrte reglos in der Luft.
Er ergriff sie. Zog die Frau zu sich. »Coppers Mill«, raunte er. »South Downs. Bring mich dorthin.«
Sie nickte wortlos. Er ließ sie los. Sie schloß den Wagen auf. Er ging um das Auto herum. Stieg auf dem Beifahrersitz ein. Sie steckte den Schlüssel ins Schloß und blickte zu ihm herüber. »Der Sicherheitsgurt«, meinte sie dann.
Er lachte rau. »Natürlich. Verzeih mir....???«
»Rachel.«
»Rachel.« Er ließ den Namen über seine Zunge rollen.
Sie startete den Wagen und fuhr aus der Parklücke.

¯¯¯
»Geht’s dir gut?« Malcolm sah auf Mason. Die hatte die Arme um ihren Körper geschlungen, als wäre ihr kalt.
»Was willst du von mir hören?« Sie wandte nicht den Kopf. Starrte weiter geradeaus.
»Die Wahrheit.« Er warf einen Blick in den Rückspiegel.
»Wir werden nicht verfolgt«, sagte sie leise.
»Ich werde trotzdem sicher gehen und Umwege fahren.« Er bog rechts ab. Gleich darauf links. »Dem Kerl traue ich einfach alles zu.«
»Das solltest du auch«, war ihre Antwort. »Er wird nicht ruhen, bis er hat, was er will. Und dadurch, dass ihr mich beschützt, habt ihr euch in Lebensgefahr gebracht. Er wird euch töten, wenn ihr euch ihm in den Weg stellt.«
»Na, das soll er mal versuchen«, brummte Spencer. »Ich hab noch ein paar kleine Überraschungen für ihn auf Lager. Glaub mir, er kriegt dich nicht. Und keiner von uns wird sterben.«
Mason rieb sich die Schläfen. »Ist es immer noch nicht besser?« Geoffrey beugte sich vor. »Möchtest du ein Aspirin?«
Sie hangelte mit der Hand nach hinten. Berührte kurz sein Bein. »Das ist lieb von dir. Aber es wird auch nicht helfen. Solange er in meinem Kopf ein und aus geht, wird das Hämmern nicht verschwinden.«
»Spürst du seine Anwesenheit?« wollte Simon wissen. Mit dem Messer schälte er sich einen Apfel, als wären sie auf einem Sonntagsausflug. Er reichte Mason ein Stück.
Sie nahm es, steckte es sich in den Mund und kaute. »Im Moment nicht«, sagte sie dann. »Aber er wird kommen. Früher oder später. Spätestens, wenn er merkt, dass ich nicht mehr in Richmond bin. Und ich fürchte, ich werde mich dann nicht vor ihm schützen können. Er wird alles erfahren, was ich weiß. Darum halte ich es für besser, wenn ihr eure Pläne für euch behaltet. Je weniger ich weiß, umso besser für euch.«
Malcolm nickte. Bog wieder rechts ab. »Da hast du Recht. Doch gewisse Dinge werden wir dir nicht verschweigen können. Weil wir deine Hilfe brauchen. Du mußt einen Weg finden, dich abzuschirmen.«
»Und wie soll das bitte gehen? Du hast keine Ahnung, was du da sagst. Verzeih, aber es ist so. Du hast ihn nicht gespürt. Tief im Inneren. So überwältigend. So stark. Die Bilder, die er mir vorgaukelte, waren so real. Und mein Blut kochte, schrie regelrecht nach ihm. Seiner Nähe. Seiner .... Liebe. Ich stand so kurz....« Sie zeigte mit den Fingern die Spanne an. »So kurz davor, mich zu ergeben. Weil ich die Leere in mir nicht mehr ertragen konnte. Wenn er bei mir ist, dann schweigt Gott. Er entfernt sich so weit von mir, dass ich ihn kaum noch sehen kann.« Mason krampfte die Hände in den Stoff ihrer Hose und sah aus dem Fenster.
Geoffrey stieß die Luft aus. »Oh, mein Engel, was hat er nur mit dir gemacht?«
Malcolm kniff die Lippen zusammen. Er verstand. Die süße Versuchung. Letztendlich war niemand immun dagegen. Und Mason war ein reiner Engel. Ohne jeglichen Argwohn. Jegliche Niedertracht. Sie war ihm wehrlos ausgeliefert. Ihm und dem Verlangen, das sein Blut in ihr hervorrief. Seine Hände krampften sich ums Lenkrad. »Wir werden ihn nicht gewinnen lassen«, murmelte er. »Solange noch Atem in mir ist, werde ich kämpfen. Das schwöre ich.«
Mason schluckte. »Ja, das hatte ich befürchtet.« Sie lehnte sich zurück, legte den Kopf gegen die Lehne des Sitzes.
Malcolm lenkte den Wagen einen Hügel hinunter. Eine Weile fuhren sie schweigend durch die Gegend, dann bog er in eine Nebenstraße ab, die nicht mehr als ein Kiesweg war. In der Ferne war der Kirchturm von Holy Falls zu sehen.
Geoffrey nahm das Handy aus der Tasche, wählte eine Nummer. Er sprach nicht lange. Unterrichtete die Äbtissin nur, dass sie gleich eintreffen würden. Denn als sie das riesige, vergitterte Tor erreichten, standen zwei Ordensschwestern bereit und ließen sie ein. Sie fuhren hindurch. Die Nonnen schlossen das Tor hinter ihnen wieder.
»Ein kleiner Funken Sicherheit«, sagte Malcolm leise. Kam vor dem Wirtschaftshaus zum Stillstand. »Glaube daran.«
»Glauben. Mehr bleibt mir auch nicht.« Mason seufzte. Mit einem klammen Gefühl stieg sie aus. War wieder an dem Ort, an dem sie 5 Jahre gelebt hatte. 2 als Novizin. 3 als Nonne. Das schien auf einmal so weit entfernt. Als wäre es in einem anderen Leben gewesen.
In dem Moment ging mit einem Knarzen die schwere Holztür auf. Eine Nonne in mittleren Jahren näherte sich ihnen. Breitete die Arme zur Begrüßung aus. »Boniface«, nannte sie Mason bei ihrem Ordensnamen. »Meine Tochter.« Sie schloss die junge Frau überschwenglich in die Arme und drückte sie an ihren opulenten Busen.
Mason kämpfte mit den Tränen. »Mutter Benecordia«, murmelte sie in das Habit der Äbtissin.
Die ältere Frau schob sie von sich. »Kommt!« Sie bedeutete den anderen, ihr zu folgen. Mason zog sie hinter sich her. »Wir werden euch zur Seite stehen. Ihr bekommt, was ihr braucht. Sagt es uns.«
Malcolm trat heran, beugte das Haupt. »Ich danke Euch, ehrwürdige Mutter. Ihr seid das rettende Licht.«
Sie winkte ab. »Du warst schon immer ein Schmeichler, Malcolm Fraser. Aber sei’s drum. Du hast das liebe Kind gut beschützt. Dafür danke ich dir. Die Zeiten sind hart. Und solche wie ihr rar gesät.« Sie drehte sich um und stapfte voran die Treppe rauf.

¯¯¯
Rachel starrte schweigend geradeaus. Steuerte das Auto durch die Landschaft. Die Hände um den Lenker gekrampft. Sie zitterte, das konnte er sehen. Doch hatte sie nicht die Kraft, sich ihm zu widersetzen.
Er strich ihr vorsichtig das dunkle Haar aus dem Gesicht. »Du mußt keine Angst haben«, raunte er. »Dir wird nichts geschehen, solange du tust, was ich dir sage.«
»Und...«, begann sie unsicher. »Und wenn ich das nicht kann?« Sie wandte kurz den Kopf von der Straße. Sah ihn an.
»Ich bin mir sicher, dass du es kannst. Bring mich nur nach Coppers Mill. Dann bist du frei. Kannst in dein Leben zurückkehren.« Er sah den Ehering an ihrem Finger. »Zu deinem Mann.«
Sie preßte die Lippen aufeinander.
»Hast du Kinder, Rachel?«
»Ja«, hauchte sie. »Thomas und Jacob.«
Er lachte laut auf.
Sie warf ihm einen verwirrten Blick zu.
»Du hast deine Kinder nach den Aposteln benannt?«
»J... ja«, stotterte sie.
Er lehnte sich in den Sitz. »Warum? Machen ihre Namen einen Menschen zu einem besseren Menschen? Ihr glaubt wohl daran. Wie dumm ihr Sterblichen doch seid.« Er sah Rachel an. »Du bist Katholikin, oder?«
»Ja«, erwiderte sie kurz.
»Gehst regelmäßig in die Kirche?«
»Ja.«
»Betest zu Gott? Beichtest deine Sünden?«
»Ja.«
Er lachte erneut. »Wenn du so sehr an ihn glaubst und er so allmächtig ist, dann erklär mir mal, warum du jetzt mit mir in diesem Auto sitzt?«
Rachel zögerte. Dann sagte sie: »Ich... ich weiß es nicht.«
Er nickte. »Ja, so ist es. So war es und so wird es immer sein. Ihr wißt nichts.«
»Und du?« wagte sie einen Vorstoß. »Weißt du es denn?«
Er warf ihr einen amüsierten Blick zu. »Meine Welt ist klar. Ich folge keinen geschriebenen Mysterien. Ich folge nur dem Blut. Und das hat mich noch niemals fehlgeleitet.«

¯¯¯
Mason schob den Teller von sich. Der Eintopf roch köstlich. Aber sie konnte nichts essen. Wenn sie sich dazu zwang, würde sie es nur wieder erbrechen. »Tut mir leid«, sagte sie zu Mutter Benecordia. »Es geht beim besten Willen nicht. Schon beim Gedanken an Essen wird mir übel.«
Die Äbtissin legte eine Hand auf ihre. »Du wirst deine Kraft noch brauchen. Nach allem, was du mir erzählt hast.«
Mason lächelte schwach, nahm sich eine Scheibe des selbstgebackenen Brotes. »Das hat mir gefehlt. Sehr sogar. Ich versuche es.« Sie zerpflückte das Brot und schob sich einen Bissen in den Mund.
»Du fürchtest dich, nicht wahr?«
»Würdet Ihr Euch denn nicht fürchten? Da kommt etwas auf Euch zu und Ihr wißt nicht, wie Ihr es stoppen könnt. Dass Euch nicht einmal der Glaube an Gott helfen kann.«
»Vielleicht irrst du da«, sagte die ältere Frau leise. »Vielleicht traust du zu sehr dem Offensichtlichen. Was ich in den langen Jahren als Nonne erkannt habe, ist, dass die meisten Dinge viel tiefer liegen, als man es erahnt.«
»Und das heißt? Dass ich ihm einen Termin beim Therapeuten machen soll?«
Mutter Benecordia lächelte. »Gott vergibt keine Termine. Aber die Idee hat was für sich. Nein, so meinte ich es nicht. Gott hat nicht ihn gefehlt. Sondern er Gott. Er hatte kein Vertrauen in seine Wege. Darum verspottet er ihn. Aber er haßt ihn nicht. Er ist wie ein verlorenes Kind, das auf seinen Pfaden stolpert.«
Mason legte das Brot zur Seite. »So verhält er sich aber nicht.«
»Natürlich nicht. Seine Schwäche einzugestehen würde ihn an dem, was er ist, zweifeln lassen. Es würde seine gesamte Existenz in Frage stellen.« Die Äbtissin nickte. »Aber im Grunde sehnt er sich nur nach Liebe.«
»Dann wollt Ihr damit sagen, dass ich seinem Sehnen einfach so nachgeben soll?«
»Ja, mein Kind. Liebe ihn. Mit aller Kraft deines Herzens. Denn wenn du ihm deine Liebe schenkst, wird durch dich auch die Liebe Gottes auf ihn fließen. Du bist noch immer eine Nonne, Boniface. Vergiß das nicht.«
Mason schluckte. So hatte sie das noch gar nicht betrachtet. Sie stand langsam auf. »Mutter Benecordia, dann weiß ich jetzt, was ich tun muss.«
Die Äbtissin nickte. »Es ist alles vorbereitet und liegt in deiner alten Kammer für dich bereit.«

¯¯¯
»Du hättest hier rechts abbiegen müssen.« Rachel trat auf die Bremse. Setzte den Wagen langsam zurück. Fuhr in die Seitenstraße. Das Schild am Wegesrand zeigte an, dass es noch 12 Meilen bis Coppers Mill waren. Er kam seinem Ziel immer näher. Und Mary wartete dort auf ihn. Er lächelte versonnen. Es wurde Zeit, ihrem Geist einen weiteren Besuch abzustatten.

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Nur mit Badetuch und Latschen bekleidet, marschierte Mason den Gang zur Kammer entlang. Sie hatte eine Dusche gebraucht. Fühlte sie sich jetzt besser gewappnet für das, was ihr bevorstand. Sie mußte es wagen. Es gab keine andere Lösung. Sie lächelte entschlossen und bog um die Ecke.
Die Lampen im alten Gemäuer flackerten. Die Leitungen mußten im Grunde schon seit 10 Jahren überholt werden. Aber das war bis heute nicht in die Wege geleitet worden.
»Mary....«
Der Hauch streifte sie. Kalt wie Eis. Sie fuhr herum. Der Gang hinter ihr war leer.
»Mary...«
Sie drehte sich einmal um sich selbst. Klammerte die Hände ans Badetuch. »Geh raus aus meinem Kopf!«
»Aber es gefällt mir da.« Die Stimme war direkt an ihrem linken Ohr.
Langsam drehte Mason sich um. Sah ihn an. »Mir aber nicht. Ich kriege davon Kopfschmerzen.«
Er lachte. »Weil du dich sträubst. Lass es einfach zu. Dann tut es auch nicht weh.«
»Sagte die Spinne zur Fliege«, spöttelte sie. »Verschwinde!« Sie trat zur Seite, wollte an ihm vorbei.
Er verstellte ihr in den Weg, ohne sie zu berühren. Sie starrte ihn an, während das Wasser fröhlich von ihr runter auf den Steinboden tropfte. Er hob die Hand. Strich ihr über die Wange. »Du bist unglaublich stark. Und so unglaublich schön.« Mit den Fingern fuhr er sanft über ihre nackte Schulter.
»Schönheit ist oberflächlich«, gab sie ruhig zurück. Unterdrückte das Zittern. »Sie ist das, was ich sehe, wenn ich dich betrachte. Aber deine Seele ist so schwarz wie dein Haar.«
»Dann schenk mir dein Licht.«
Mason nahm seine Hand. Er sah sie überrascht an, als sie die Fingerspitzen küßte. »Wenn du das wirklich willst, dann sei dir bewußt, dass ich dich verbrennen könnte.«
Er beugte sich zu ihr. Streifte ihren Mund mit seinen Lippen.
Sie schloß die Augen. Als Mason sie wieder öffnete, war er verschwunden.

TBC...

Liebe Grüße
Caelin
Babe K
Ich muss sagen, ich find die Story ziemlich spannend und mich würd echt interessieren, wie`s weitergeht!

Weiter so smile.gif

CaelinDaell
Dann machen wir hier mal weiter...

Ich wünsche euch allen ein schönes WE! biggrin.gif

Kapitel 10

»Mehr war auf die Schnelle nicht drin.« Simon sah entschuldigend zu Malcolm hoch. Klappte den Deckel des Sarges zu und überprüfte die Verschlüsse. Ließ sie ein- und ausrasten. »Die Schwestern waren hilfreich.« Er klappte den Sarg wieder auf. »Gleich nach deinem Anruf haben sie sich drangemacht und alte Bücher gewälzt. Siehst du das hier?« Er zog das Futter zur Seite. »Ich habe keine Ahnung, was es bedeutet. Aber...«
Malcolm beugte sich in den Sarg hinein. Betrachtete die Symbole, die ihn flüssigem Silber auf die Innenseite des Sarges gepinselt worden waren. »Das ist aramäisch, mein Freund. Die Sprache, die zu Jesu Zeiten gesprochen wurde.«
»Und was sagen sie?« Simon sah seinen Freund und Waffenbruder interessiert an.
»Eine Bannformel. Und sie besagt in etwa...« Malcolm kratzte sich am Kopf. »Ist schon ‘ne Weile her. Warte mal...« Er studierte die Symbole. Lächelte. »Also wortwörtlich kriege ich das nicht hin. Tut mir leid, Kumpel. Ist einfach zu lange her. Aber im übertragenen Sinne besagen sie in etwa, dass, was immer sich in diesem Sarg befindet, bis ans Ende seiner Tage da auch bleiben wird. Kein Entkommen aus der Zeit. Das kann ich übersetzen.«
»Meinst du, es ist genug?«
Malcolm blickte Simon an. »Es muss. Bis wir einen neuen Sarg aus Silber haben, in den wir den hier betten werden. Denn wenn der Deckel einmal zu ist, mache ich ihn sicher nicht mehr auf.«
Simon nickte. Kratzte sich am Kopf. »Die Mutter Äbtissin war nicht begeistert von dem, was wir vorhaben. Immerhin werden wir diese Kirche entweihen. Aber sie beugt sich. Sie weiß, dass es nicht anders geht.«
Gerade, als er das sagte, erklangen Stiefelschritte auf dem Marmorboden der Basilika. Spencer und Geoffrey näherten sich. »Wir haben alles vorbereitet. Sobald er das Gelände betritt, werden wir wissen, was er tut. Ich habe die Kameras neu geeicht. Sie werden kein klares Bild liefern. Aber einen Schatten kriegen wir zu Gesicht.«
»Gut«, sagte Malcolm nur. »Er will zu Mason. Und sie wird hier in der Kirche sein. Wir müssen ihn einfach zwingen, unseren Weg zu nehmen.«
»Das wird nicht einfach sein«, warf Geoffrey ein. »Fliegen kann er zwar nicht, aber er kann sich so behende bewegen, dass er durchaus schafft, nach oben zu entwischen. Wenn er über die Dächer geht, könnten wir Probleme kriegen.«
Spencer winkte ab. »Sollte er das tun, holen wir ihn einfach wieder davon runter. Mit Silberkugeln können wir ihn zwar nicht umbringen. Aber es wird ihn gehörig ins Schwanken bringen. Und im wahrsten Sinne des Wortes zurück auf den Boden der Tatsachen holen.«
»Hier drin ist alles klar«, ergriff Simon das Wort. »Der Sarg ist präpariert. Was ist mit den Armbrüsten? Freiwillig wird er sich wohl kaum...« Er zeigte auf den Sarg. »Hier reinlegen.«
»Die Armbrüste sind klar. Ich habe die Seile überprüft und getestet. Allerdings hat jeder von uns nur einen Schuß. Ihr müßt genau zielen. Am besten auf die Brust.«
»Warum nageln wir ihn nicht einfach an den Boden und warten, bis die Sonne aufgeht?« führte Geoffrey an.
»Weil ihn das auch nicht tötet. Ansonsten wäre er wohl kaum wieder hier«, wies ihn Simon zurecht.
»Ja«, gab Geoffrey zurück. »Aber Sonnenlicht verbrennt ihn. Schwächt ihn. Er ist nicht immun dagegen. Sonst hätten wir Mason nicht aus seinen Klauen befreien können. Er wird seine Kraft einbüßen. Dann haben wir’s leichter, ihn in den Sarg zu kriegen.«
»Da liegt er nicht mal so falsch«, wandte Malcolm ein. »Aber es ist zu riskant.« Er blickte auf die Uhr. »Bald geht die Sonne unter. Und bis sie wieder aufgeht, dauert es ein paar Stunden. Keiner von uns kennt seine Tricks. Wir dürfen es nicht darauf ankommen lassen.«
»Und wenn er durch den Sarg bricht?«
Simon kniete sich hin und klopfte gegen das Holz. »Eiche. 10 Zentimeter dick. Außerdem ist er von allen Seiten mit Bannformeln in Silber belegt. Aber wenn du dich dann sicherer fühlst...« Er grinste. »Jagen wir ihm einen silbernen Nagel durch das Herz. Und schlagen ihm obendrein den Kopf ab.«
Geoffrey hob die Brauen. »Erklärst du dich freiwillig bereit dafür? Ihm körperlich nahe zu kommen, könnte tödlich enden, egal wie angeschlagen er ist.«
»Das ist unser Schicksal. Hast du das vergessen?« Malcolm legte Geoffrey eine Hand auf die Schulter. Lächelte. »Ich werde es tun. Ihr anderen haltet ihn mit Silberkugeln in Schach.«
»Ich bin nicht feige...« sagte Geoffrey leise.
»Das hat auch keiner behauptet. Überleben zu wollen ist ein Urinstinkt. Doch richte deinen Blick auf Gott. Dann wirst du nicht zögern.« Malcolm sah den Rest der Mannschaft an. »Es ist Zeit. Versteckt den Sarg hinter dem Altar. Mason darf ihn nicht sehen. Wenn er geistigen Kontakt zur ihr aufnimmt, könnte sie es ihm verraten.«
»Wir bereiten es vor.« Spencer sah auf Simon. Der nickte.
»Dann geh ich jetzt zu Mason.« Malcolm sah sie an. Lächelte. Dann verließ er schnellen Schrittes die Kirche.

¯¯¯
Er ließ Rachel den Wagen vor dem schmiedeeisernen Tor anhalten. Wandte sich ihr zu. »Ich weiß, dass du nicht hier sein willst. Wenn es nicht anders ginge, wäre ich es auch nicht. Aber es ist nun mal so. Darum wirst du warten.«
»Wie lange?« fragte sie tonlos.
»Solange es eben dauert.« Er streckte die Hand aus, preßte sie gegen Rachels Stirn. »Du wirst warten. Denn ich werde dich noch brauchen. Du wirst warten.« Sie nickte mechanisch, seufzte und legte die Hände in den Schoß.
»Gut.« Er löste den Gurt, zog die Kapuze hoch und setzte die Sonnenbrille auf. Dann stieg er aus. Schloß leise die Tür und ging zum Tor. Das Sonnenlicht hatte nachgelassen. Das Abendrot stand bevor. Es tat zwar immer noch weh, war aber bei weitem nicht mehr so schlimm wie am Mittag. Vielleicht sollte er warten, bis es gänzlich dunkel war. Dann erreichte er sein volle Stärke. Doch er schüttelte den Kopf. Er hatte schon zuviel Zeit vergeudet.
Langsam schritt er vor dem Tor auf und ab. Das Kloster war kein öffentlicher Ort. Ohne Erlaubnis konnte er es nicht betreten. Er mußte um Einlaß bitten. Doch wenn er es tat, erfuhren sie, dass er hier war. Aber es ging nicht anders. Da sah er bereits eine Nonne den Weg entlang kommen. Entweder hatte sie den Wagen gesehen und wollte wissen, was er hier suchte. Oder man erwartete ihn. War eingeweiht. Er nahm das Letztere an.
Die Nonne war dick und rundlich. Hatte ein freundliches Gesicht. Sie öffnete wortlos das Tor. Trat zur Seite. Breitete die Hand aus. Hieß ihn willkommen. Er zögerte einen Moment, dann betrat er den Boden von Holy Falls. Die Nonne sah ihn an, zeigte keinerlei Furcht. Er konnte sie töten. Jetzt und hier. Kurz und schmerzlos. Aber etwas hielt ihn zurück. In all seiner Zeit hatte er nach Lust und Laune gemordet. Sich nicht um die Opfer geschert. Aber nie hatte er einen Vertreter Gottes ins Jenseits befördert. Er hatte ihre Gegenwart gemieden. Ihre Gegenwart und ihr Blut. Und er würde jetzt nicht damit anfangen, das zu ändern.
Da drehte sich die Nonne auch schon um, schloß das Tor hinter ihm, sah kurz auf Rachel im Wagen und marschierte von dannen. Es blieb ihm überlassen, ob er ihr folgte oder nicht. Er entschied sich umsichtig, erst mal einen Blick auf die Gegebenheiten zu werfen. Alles roch förmlich nach einer Falle.
Die lange Auffahrt bot kaum Schutz. Dann kamen links die Stallungen. Er hörte das Muhen von Kühen, das Blöken und Meckern der Schafe und Ziegen. Das Kloster versorgte sich selbst. Vermutlich lagen neben den Gebäuden weite Ackerflächen, auf denen Korn und Gemüse angepflanzt wurden.
Hinter den Stallungen stand ein Haus mit vielen kleinen Fenstern. Wie wachsame Augen starrten sie ihn an. Daneben war ein Tor. Es führte ins heilige Innere des Komplexes. Den Kreuzgang und die Basilika. Rechts von ihm befanden mit Sicherheit die Wohn- und Schlafgebäude. Die Küche, das Scriptorium, die Bibliothek. Es waren keine Autos zu sehen. Dann war das Bauwerk mit den großen Türen, das den Anschein eines weiteren Stalls erweckte, vermutlich die Garage. Doch die Türen waren alle verschlossen. Wo waren sie? Wo hatten sie sich verschanzt und warteten auf ihn?
Er ging langsam voran. Sah immer wieder zu beiden Seiten. Nichts geschah. Da öffnete sich die Tür des großen Gebäudes direkt vor ihm. Ein Mann trat heraus. Er trug einen schwarzen Kampfanzug. Hatte eine Waffe in der Hand. Blieb auf der Treppe stehen. Betrachtete ihn.
ER erkannte ihn. Der grauhaarige Riese. Marys Vertrauter.
»Wenn du sie willst, mußt du an mir vorbei«, sagte der Mann gerade. »Oder hast du gedacht, es wird so einfach? Dass du hier reinkommst, sie dir holst und wieder verschwindest?«
Er lächelte. »Genau das hatte ich angenommen. Und wenn du klug bist, läßt du mich gewähren. Es rettet dein Leben. Das von Mary rettest du nicht mehr. Denn sie hat sich mir längst ergeben.«
»Ach, ja?« schnaubte Malcolm. »Und warum ist sie dann nicht hier?«
»Weil ihr sie gegen ihren Willen hier gefangen haltet«, sagte er nur und sprintete los.
Malcolm schoss auf ihn. Aber die Kugeln trafen nicht. Sie schrammten nur dort über den Boden, wo er eben noch gestanden hatte. Er war bereits auf der Treppe. Malcolm duckte sich, als er ihn packen wollte und schlug zu. Riss ihm dabei die Sonnenbrille vom Gesicht. Und warf eine Leuchtgranate.
Das Licht schmerzte. Für einen Moment sah er gar nichts. Taumelte zurück. Als er den Blick wieder hob, war Malcolm nicht mehr da. Ein Quietschen. Er sah in Richtung des Geräusches. Das Tor zum Kreuzgang. Es schwang noch leicht von Malcolms Berührung. Das mußte man dem alten Knaben lassen. Er war noch immer ziemlich schnell.
Er eilte darauf zu. Doch blieb vor dem Gitter stehen. Es WAR eine Falle. Malcolm sollte ihn hineinlocken. Dann warteten die anderen dort auf ihn. Mit einem Lächeln stieß er sich vom Boden ab und sprang auf die Mauer. Er würde zu ihnen kommen. Aber anders, als sie es annahmen.

¯¯¯
»Wo zur Hölle ist er?« Spencer starrte auf den kleinen Bildschirm in seiner Hand. Klickte sich durch die Kameras, die sie installiert hatten. Nirgendwo eine Spur von ihrem Widersacher. Er tippte an den Kommunikator. »Ich habe keine Sichtung von ihm. Habt