Bin neu hier im Forum und habe lange überlegt, ob ich gleich mit der Tür ins Haus fallen soll. Hhmm...
Vielleicht sollte ich vorher anfragen, ob ihr überhaupt Lust habt, eine Story zu lesen. Also, hiermit frage ich ganz höflich.
Ich schreibe seit Jahren. Mal mehr mal weniger. Und bei einem Schauspieler von Mr. B's Qualitäten, lässt die Inspiration nicht lange auf sich warten. Schreiben ist eh leichter mit Kopfkino.
Und wenn ich es sowieso nicht veröffentlichen kann, weil mir das Copyright fehlt, kann ich es doch immerhin mit Leuten teilen, die meine Motivation verstehen können. Ich fand Mr. B schon immer irgendwie gut. Aber als dann letzten Herbst ATTILA im Fernsehen lief und am selben Tag dann auch noch DRACULA hatte ich echt eine Überdosis und war nicht mehr zu retten.
Meine Story ignoriert den zweiten Teil komplett. Immerhin spielt er da ja eh nicht mehr mit. *ggg*
Und jetzt höre ich auf, um den heißen Brei herumzureden. Ich stelle euch einfach mal einen Teaser rein. Ich hoffe, ihr habt Spaß dabei, euch virtuell beißen zu lassen.
Framed in Blood
Prolog
»Ein Sarg?« Der dunkelhaarige Mann runzelte die Stirn. Machte seinem Mißfallen mit einem lauten Schnauben Luft. »Das ist doch ein Scherz, oder?«
Der Notar blätterte in den Unterlagen. »Nein, ich fürchte, das es das nicht ist. Das Testament ist klar. Es war Miss van Helsings ausdrückliche Weisung. Nach ihrem Ableben sollen ihre Habseligkeiten, zu denen auch dieser Sarg aus purem Silber gehört, hier eingelagert werden. Die Gebühren sind im Voraus bezahlt worden. Für 50 Jahre.« Er sah den Leiter der Sicherheitsfirma an. Zuckte die Schultern.
»Also, worüber beklagen Sie sich? Schieben Sie das Ding hier rein. Machen Sie die Tür zu. Um Weiteres brauchen Sie sich nicht zu kümmern. Das regelt meine Kanzlei.«
Der Mann kratzte sich an der Stirn. »Soll mir recht sein. Aber gehört ein Sarg nicht gewöhnlich in ein Grab?«
Der Notar drehte sich ihm zu. Reichte ihm die Papiere. »Hier. Und jetzt schaffen Sie das Ding weg.«
Der Sicherheitsbeamte starrte die Papiere an. Dann rollte er sie zusammen. Steckte sie in die Gesäßtasche. Winkte den Arbeitern. »Runter mit dem Ding. Bringt es in Box 12.« Er sah den Notar an. »Sie sperren ab. Ist ein Codeschloß. Den Code wählen Sie. Wenn sie damit fertig sind, kommen Sie in mein Büro. Dann kriegen Sie Ihre Bestätigung.«
Kapitel 1
»Mason, hinter dir!« Durch Malcolms dröhnenden Bass alarmiert, fuhr sie herum, tastete nach dem Pflock am Gürtel. Doch bevor sie die Chance bekam, ihren Gegner damit in ein Häufchen Staub zu verwandeln, wurde sie von ihm an der Kehle gepackt. Durch die Luft gewirbelt. Sie schaffte nur einen halben Salto, da eine Säule unsanft ihre Flugbahn stoppte. Masons Knochen knackten. Sie verlor die Kontrolle, ließ den Pflock fallen. Der Schmerzensschrei blieb ihr mangels Atem im Hals stecken. Dann landete sie auf dem mit Unkraut überwuchertem Boden der alten Klosterruine, verfehlte mit dem Kopf knapp die verwitterte Hälfte eines Grabsteins.
Mason krümmte sich zusammen, stöhnte verhalten. Pulsierendes Inferno in ihrem Inneren. Sie hustete und spuckte Blut, presste eine Hand auf die Polsterung, die ihren Oberkörper schütze. Nichts gebrochen. Noch nicht. »Geheiligter Vater, schütze die Männer, gib ihnen Kraft, denn deine Liebe ist allgegenwärtig«, murmelte sie. Kam langsam in eine sitzende Position. Sie spürte das kühle Silber des Kreuzes, das sie unter dem Hemd auf der nackten Haut trug. Es beruhigte sie, ließ das Hämmern im Schädel abebben. Mason drückte sich hoch, kam schwankend auf die Beine. »Und lass auch mich nicht hadern«, fügte sie keuchend hinzu. Sah sich um. Malcolm und die anderen hatten nicht an Boden gewonnen, aber auch keinen verloren. Noch stand es 50/50.
Ferris und Spencer hatten einen Vampir eingekreist, der aussah, als ginge seine menschliche Hülle noch zur Schule. Eine hagere Bohnenstange mit langem, strähnigem, braunen Haar. Er trug ein T-Shirt, das irgendeine Heavy Metal Band lobpreiste. Totenkopf und Knochen. Dunkle Flecken auf dem Stoff. Blut. Doch teilte der "Junge" mit einer Kraft seine Schläge aus, die durchaus Respekt einflößend war. Ferris und Spencer hatten ihre liebe Not mit ihm.
Simon und Geoffrey führten einen abstrusen Paarungstanz mit einer schwarzhaarigen Hexe auf. Wer diese Frau war, wusste Mason. Sie hatte Fotos gesehen. Anna Reynolds. Model. Atemberaubende Schönheit. Nach einer Party war sie mit dem falschen Kerl im Bett gelandet. Doch noch war ihre Verwandlung nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund waren sie hier. Und nur deshalb ließen Simon und Geoffrey Nachsicht walten. Sie wollten die Frau nicht töten, nur überwältigen. Gelang es Mason, die bedrohliche Gestalt, die sie grade attackiert hatte, ins Jenseits zu schicken, erlosch die Macht. Anna Reynolds konnte mit dem Serum geholfen werden. Sie würde wieder menschlich werden.
Normalerweise nahm der Trupp keine Aufträge an. Aber diesmal hatten sie sich breitschlagen lassen. Weil der Pate der jungen Frau sie auf Knien um Hilfe angefleht hatte. Der großzügige Rucksack mit Banknoten hatte Malcolm dann Gnade vor Recht walten lassen. Auch er war nicht unfehlbar und es diente einem guten Zweck. Sie brauchten Medizin und bessere Ausrüstungen, ansonsten waren sie bald mit ihrem Latein am Ende.
Seit 5 Jahren hatte die Kirche mit immer heftigeren Angriffen aus den Reihen der Finsternis zu kämpfen. Seit dem Tag, an dem der letzte Papst Johannes Paul IV. starb. Das Konklave zur Wahl eines Nachfolgers war gescheitert, weil die in der Kapelle eingeschlossenen Geistlichen mit ein paar gut plazierten Sprengladungen höchst unfreiwillig und weit vor ihrer Zeit vor das Tor des Herren katapultiert wurden.
Ein Fiasko. Das Bollwerk, das seit Kaiser Konstantin seine Kreise gezogen hatte, rang arg mit dem Gleichgewicht und löste eine Welle der Ohnmacht aus, die höher war als die eines Tsunamis. Bis ins Mark erschüttert verharrten auch die Religionsführer in eisiger Starre. Die Welt hielt wortwörtlich den Atem an, betrachtete den drohenden Schatten mit Namen Nosferatu, der aus den Tiefen der Hölle gekommen war. Das personifizierte Böse mit einer neuen Weltreligion.
Blut.
Ihre Anhängerschaft war beachtlich. Und wuchs jeden Tag. Wer träumte nicht davon, ewig zu leben?
Als die Sixtinische Kapelle in Schutt und Asche fiel, einem wunderschönen Maiabend im Jahre 2030, tauschte Mason Habit und Rosenkranz gegen Tarnanzug, Springerstiefel, Pflock und Armbrust. Schwester Boniface kannte das Böse, hatte es Zeit ihres Lebens studiert. Und darum dachte sie - entgegen Christi Lehre - nicht daran, den Kopf zu senken und auch die andere Wange hinzuhalten. Dazu hatte sie bei der Explosion zu viel verloren. Ihren geistigen Vater und Mentor, Kardinal Brendan MacAran. Er war einer der Preferiti gewesen, wenn nicht gar der absolute Favorit. Er wäre ein guter Papst geworden.
Mason lächelte grimmig. Setzte bedächtig einen Fuß vor den anderen, näherte sich ihrem Gegner, ging im Kopf verschiedene Szenarien durch. Mit Stärke konnte sie nicht viel ausrichten. Also musste sie es mit Schläue versuchen. Da sich jeder den Plan des ehemaligen Klosters eingeprägt hatte, bevor sie den Angriff starteten, kam ihr eine Idee. Doch als sie sich auf ein mit Brettern bedecktes Loch im Boden zu bewegte - der Zisterne - lächelte sie der Vampir an. Schüttelte den Kopf. Er würde sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen lassen und Mason leichtes Spiel ermöglichen, in dem er einfach in das Loch fiel.
In einer Bewegung, die das menschliche Auge kaum wahrnehmen konnte, sprang er die junge Frau an und stieß ihr beide Hände gegen den Brustkorb. Mason verlor das Gleichgewicht. Stolperte rückwärts. Mit dem Hintern landete sie auf den Brettern über der Zisterne. Die schwankten bedrohlich, da die Jahre sie hatten morsch werden lassen. Der Vampir stand breitbeinig vor ihr auf sicherem Boden. Er tat nichts, wartete, dass der Zahn der Zeit die Drecksarbeit für ihn übernahm. Weiteres Zittern der Bretter. Knirschen. Knacken. Das Holz brach. Mason zählte bis 3, dann hechtete sie nach rechts, rollte über den Boden. Nur ein Bein hing lose über der Öffnung, die sich neben ihr auftat.
Der Vampir nickte anerkennend und stürzte sich erneut auf sie. Doch mitten im Flug traf ihn ein Geschoß in die Brust. Schleuderte ihn mit aller Wucht nach hinten. Er rammte einen Grabstein. Blieb reglos auf dem Boden liegen.
Mason kam auf die Beine, tippte sich an die Stirn. Dankte Malcolm. Der kam nicht dazu, den Gruß zu erwidern, denn er wurde von einem weiblichen Vampir angegriffen. Einer Blondine in schwarzer Lederkluft. Die beiden lieferten sich einen erbitterten Zweikampf. Sie versuchte, ihm mit ihrem langen Krallen die Augen aus dem Gesicht zu kratzen. Er ging immer wieder in Deckung und schaffte es nicht, seinerseits auszuteilen. Dass der Kerl immer noch Probleme damit hatte, eine Frau zu schlagen.
Doch zum Glück hatte Ferris die nicht. Er und Spencer hatten den Teenagervampir mit vereinten Kräften frei nach dem Motto: Doppelt hält besser! zerbröseln lassen. Jetzt kümmerte sich Spencer zusammen mit Simon und Geoffrey darum, Anna Reynolds in Schach zu halten. Sie tobte und schrie. Es brauchte wirklich alle 6 Hände, sie auf dem Boden zu halten und zu fesseln.
Ferris riss die Armbrust aus dem Gürtel, legte an und schoß. Der Pfeil traf den weiblichen Vampir in der Brust. Sie schrie auf und explodierte in einer Wolke aus Staub. Verursachte eine Niesattacke bei Malcolm. Der wedelte mit der Hand vor dem Gesicht. Es gab besseren Stoff, um high zu werden.
Der Meister war wieder auf die Beine gekommen. Seine Auszeit hatte nicht mal eine Minute gedauert. Rote Karten hatten halt nur die richtige Wirkung, wenn der Schiedsrichter gut genug zielen konnte. Wütend über den Verlust einer seiner Gefährtinnen riss er sich den Pfeil aus der Schulter, als wäre er eine Akupunkturnadel, hielt ihn fest in der Hand. Es zischte. Das Weihwasser verbrannte sein Fleisch. Doch er ließ nicht los. Sprintete auf Ferris zu.
Mason sah sich suchend um. Sie hatte die Armbrust verloren und da sie nicht über die Fähigkeit der Teleportation verfügte, konnte sie Ferris nur helfen, in dem sie den Feind aus dieser Entfernung wie eine Weihnachtsgans spickte. Nur dass sie auf die Nelken verzichten und lieber mit Weihwasser getränkte Pfeile nehmen würde. An einer Säule erspähte Mason ihre Waffe und hastete darauf zu.
Ferris sprang auf die Überreste einer Grabplatte. Versuche grade, einen neuen Pfeil in die Armbrust zu legen, als ihm diese aus der Hand geschmettert wurde. Der Vampir knurrte ihn an und rammte ihm den Pfeil in den Hals. Ferris gab ein Röcheln von sich. Kippte wie ein Stein zu Boden, während er jämmerlich an seinem eigenen Blut erstickte.
Der Meister lachte laut. Heulte wie ein Raubtier. Dann schwang er herum und kam auf Mason zu. Die Armbrust war vergessen. Sie fingerte am Waffengurt, aber schaffte es nicht, den Pflock zu ziehen. Das Mistding hatte sich verhakt. Der Vampir packte sie und gab ihr eine weitere Gratisflugstunde.
Keuchend kam Mason auf dem Boden auf. Die spitze Kante einer Steinplatte bohrte sich in ihren Rücken, schickte Schmerzwellen ihr Rückgrat hinab. Benommen hörte sie Malcolms Fluchen, ließ sich vom Grabstein gleiten.
Der Vampir wandte sich Malcolm zu. Näherte sich gelassen, siegessicher. Der schoß einen Pfeil ab. Verfehlte aber sein Ziel. Der Vampir begann zu laufen. Ehe Malcolm in Deckung gehen konnte, hatte er ihn schon am Hals gepackt. Drückte ihn gegen eine Säule. Hilflos baumelte er in der Luft. »Ein Mann Gottes«, raunte der Vampir verächtlich, als er unter dem Tarnanzug den weißen Kragen bemerkte. Er lachte kalt. »Sag mir, Priesterlein, wo ist dein Gott jetzt?«
»Der sieht wohlwollend auf ihn herab und schickt ihm einen Engel« drang eine energische Stimme zu ihnen heran.
Der Vampir wandte überrascht den Kopf, schien zu vergessen, dass er Malcolm eigentlich meucheln wollte. Blickte auf Mason, die neben dem Grabstein stand. Strähnen ihres roten Haares hatten sich aus dem Zopf gelöst, umgaben sie wie ein flammendes Meer. Sie wirkte tatsächlich wie ein Engel. Ein Racheengel. »Miststück«, zischte der Vampir verärgert. »Ich dachte, ich hätte dich getötet.« Er ließ Malcolm los, der röchelnd zu Boden sackte.
Mason zuckte die Schultern. »Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Einen Geistlichen zu töten, ist ein Sakrileg«, tadelte sie. Hob blitzschnell die Hand und warf etwas, das aussah, wie eine metallene Billardkugel. Es dauerte 2 Sekunden. Dann klickte es. Gleißendes Licht schoß aus der Kugel. Blendete den Vampir. Der schrie auf. Bedeckte sein Gesicht.
Mason zog den Langdolch aus ihrem Gürtel und sprintete los. Malcolm rollte sich über den Boden. Mason warf den Dolch. Malcolm fing ihn auf und sprang hoch. Machte den Vampir in Nullkommanichts wortwörtlich um einen Kopf kürzer. Das abgetrennte Haupt sauste eiernd durch die Luft. Mehr aus Reflex denn aus Absicht fing Mason es auf, betrachtete es angewidert. Warf es zur Seite. Der Körper des Vampirs stand noch einen Moment reglos da, dann sackte er in sich zusammen. Explodierte in einer Staubwolke.
Mason lächelte ihren Waffenbruder an. »Der Herr straft alle Sünden. Er hätte es besser wissen müssen.«
Malcolm grinste. »Verschwinden wir von hier.« Er winkte den anderen.
Simon, Spencer und Geoffrey hievten Anna Reynolds auf die Beine. Sie hing wie ein nasser Sack in ihren Armen. Starrte einfach geradeaus. Die Macht war gebrochen. Sie konnten gehen. Ihre Arbeit war getan.
Kapitel 2
Unruhig wälzte Mason sich im Bett hin und her. Stöhnte verhalten. Krampfte die Hände in die Decke. Der Traum war stark. Stürzte sie in beängstigende Verzückung. Erotische Träume hatte sie früher schon gehabt. Aber die waren alle anders gewesen. Denn sie waren nach ihren Regeln abgelaufen. Doch diesen Traum konnte sie nicht unter Kontrolle halten. Er machte einfach mit ihr, was er wollte.
Den Mann, der die Hauptrolle spielte, kannte sie nicht. Dennoch waren seine Züge überdeutlich. Schwarzes, lockiges Haar. Grüne Augen. Das Gesicht ebenmäßig. Attraktiv. Die Hände feingliedrig. Der Körper sehnig, schlank.
Sie spürte seinen Mund an ihrem Hals. Seine Hände auf ihrer Haut. Sein Gewicht. Schweiß rann ihren Rücken hinab. Durchnäßte das Nachthemd, das über ihre Hüften gerutscht war. Er bewegte sich. Drängte sich näher zu ihr. Willig spreizte sie die Schenkel. Bäumte sich auf. Hielt den Atem an. Was geschah nur mit ihr?
Mason erwachte. Setzte sich im Bett auf. Schlang die Arme um ihren zitternden Körper. Lachte heiser. Während die Tränen liefen. Keiner ihrer früheren Träume war so real gewesen. Hatte die Mauer pubertärer Fantasie durchbrochen. Woher wußte sie, dass es genau so war? Sich genau so anfühlte? Seit ihrem 8. Lebensjahr hatte sie unter der Obhut von Geistlichen gelebt. Mit 18 war sie ins Kloster eingetreten. Hatte ihre ganze Liebe Gott gewidmet. Sie war nie mit einem Mann zusammengewesen. Auch nicht, nachdem sie den Konvent verlassen hatte. Es gab wichtigere Dinge, als sexuelle Gier zu befriedigen. Denn ob Habit oder nicht... Sie war noch immer eine Nonne. Ihr Gelübde würde sie nicht brechen. Aber die Gedanken waren frei. Und die kamen in letzter Zeit verdammt unkeusch daher. Doch Gedanken waren nicht gleich Taten. Kein Grund, sich schuldig zu fühlen.
Mason schlug die Decke zurück. Stand auf. Die Digitalanzeige des Weckers zeigte, dass es kurz vor Sonnenaufgang war. Sie trat ans Fenster. Zog den Vorhang zur Seite. Blickte auf den Park hinter dem Haus. Als kleines Mädchen hatte sie oft dort gespielt. War die Königin der Feen gewesen, die vielen Marmorstatuen ihre Untertanen. Ihre Mutter hatte ihr ein Kleid genäht, mit bunten Blüten und Blättern darauf. Sich an den Händen haltend hatten sie durch den Park getanzt, gesungen und gelacht oder die Fische im Teich gefüttert. Mason hatte sich Geschichten ausgedacht, ihrer Mutter erklärt, die Fische würden zu ihr sprechen und ihr erzählt, was sie sagten. Das war lange her.
Mason versuchte, die Züge heraufzubeschwören. Fast schien es ihr, als lächelte ihr das Gesicht von Mary van Helsing vom Glas entgegen. »Mommy«, flüsterte sie leise. 20 Jahre war es her, dass ihre Mutter gestorben war. Onkel Brendan war im Krankenhaus gewesen. Hatte ihre Hand gehalten. Genauso ohnmächtig und hilflos wie sie. Kurz vor 4 Uhr morgens war keine Kraft mehr vorhanden, die Hoffnung vergebens. Mary van Helsing schloss für immer die Augen.
Nach ihrem Tod ertrug es ihr Vater nicht mehr, in diesem Haus zu leben, das ihnen alle die Jahre Glück beschieden hatte. Jeder Raum, jeder Gegenstand erinnerten ihn an seine verstorbene Frau. Er packte die Sachen, brachte Mason zu Brendan MacAran und verschwand. Um den Vampir zu jagen, der ihre Mutter getötet hatte. Seit 15 Jahren hatte Mason Gewißheit, dass auch er tot war.
Das Haus in Richmond hatte all die Jahre über leer gestanden. Erst seit dem Sommer des letzten Jahres bewohnte sie es wieder. Zusammen mit ihrer Kampfeinheit. Krieger im Namen Gottes.
Mason warf einen letzten Blick in den Park und ließ den Vorhang zurückfallen. Ging zur Kommode, nahm das Bild ihrer Eltern davon herunter, betrachtete es liebevoll. »Ich hoffe, ihr seid glücklich, jetzt wieder beieinander zu sein, du und Mommy«, murmelte sie und stellte das Bild zurück.
Niemand von ihrer Familie war ihr geblieben. Alle waren tot.
Sie war die letzte der Linie. Die letzte, um das Vermächtnis zu tragen.
Liebe Grüße
Caelin